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Wilhelm Voigt
(der "Hauptmann von Köpenick")

Friedrich Wilhelm Voigt wurde am 13. Februar 1849 in Tilsit/Russland als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren und starb am 3. Januar 1922 in Luxemburg.
Bekannt wurde er als "Hauptmann von Köpenick", der am 16. Oktober 1906 uniformiert und in Begleitung von zehn ahnungslosen Soldaten das Köpenicker Rathaus besetzte, den Bürgermeister und einen Beamten kurzerhand verhaften ließ und anschließend mit der Stadtkasse verschwand.
Sein dreistes Bubenstück machte Köpenick, das 1920 nach Berlin eingemeindet wurde, quasi über Nacht weltbekannt, ja, dieser Tat wurde sogar ein Denkmal gesetzt, denn der Ausdruck "Köpenickiade" fand Einzug in den deutschen Sprachgebrauch und verlieh ihr damit gar ein Stück Unsterblichkeit.

Die Vorgeschichte
Der Coup
Die Resonanz

Die Vorgeschichte
Ein unbeschriebenes Blatt war der Schuhmacher Wilhelm Voigt auch schon vor seinem Überfall auf das Köpenicker Rathaus nicht, hatte er doch bereits fast 30 Jahre seines Lebens wegen Landstreicherei, Urkundenfälschung, Diebstahls und versuchten Einbruchs im Zuchthaus verbracht. Bereits im Alter von 14 Jahren war er straffällig geworden.
Bei seiner letzten Verurteilung im Jahr 1891 wurde er wegen des versuchten Raubes einer Gerichtskasse nicht nur mit einer 15-jährigen Zuchthausstrafe belegt sondern er verlor auch die bürgerlichen Ehrenrechte und wurde unter Polizeiaufsicht gestellt.

Nachdem er am 12. Februar 1906, einen Tag vor Vollendung seines 57. Geburtstages, aus der Haft entlassen worden war, fand Voigt mit der Hilfe des Anstaltsgeistlichen zunächst Arbeit beim Hofschuhmachermeister Hilbrecht in Wismar, wurde dann aber kurz darauf trotz guter Führung aus dem Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin ausgewiesen.
Danach zog Voigt nach Rixdorf (heute Neukölln), das zu jener Zeit noch nicht zu Berlin gehörte. Dort fand er Unterschlupf bei seiner Schwester Bertha und ihrem Mann, Arbeit hatte er in einer Schuhfabrik gefunden.
Als die Polizei Wilhelm Voigt das Aufenthaltsrecht für Berlin und den Großraum Berlin verweigerte, tauchte dieser unter und fand eine Schlafstelle in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs (heute Berliner Ostbahnhof).
Auf diese Weise in die Illegalität gedrängt, musste er fortan auch um seinen Arbeitsplatz bangen.

Der Coup
Für Voigt war das Maß nun voll! Er wollte sich an diesen Bürokraten rächen, die ihm den Wiedereinstieg in ein bürgerliches Leben so schwer machten.
In der Uniform eines Hauptmanns des 1. Preußischen Garderegiments, die er sich Stück für Stück bei verschiedenen Trödlern in Potsdam und Berlin zusammengekauft hatte, hielt er am 16. Oktober 1906 zehn ahnungslose Soldaten auf der Straße an und unterstellte diese unter Hinweis auf eine "allerhöchste" Kabinettsorder seinem Kommando.
Danach marschierte der falsche Hauptmann mit seiner Truppe in das Köpenicker Rathaus und verhaftete den Kassenbeamten von Wiltburg und Bürgermeister Dr. Georg Langerhans wegen angeblicher Unterschlagung.
Anschließend beschlagnahmte er die Stadtkasse mit 3557,45 Mark (heute rund 21.000 Euro) und stellte darüber auch wunschgemäß eine ordnungsgemäße Quittung aus. Diese unterschrieb er allerdings nicht mit seinem eigenen Namen sondern mit dem Nachnamen seines letzten Gefängnisdirektors, von Malzahn.
Die verhafteten Staatsdiener ließ Voigt zur Neuen Wache nach Berlin abtransportieren. Während "seine" Soldaten das Köpenicker Rathaus noch eine halbe Stunde lang bewachen sollten, machte sich Wilhelm Voigt aus dem Staub.

Für die Ergreifung des Täters wurde eine Belohnung ausgelobt, was Voigts Freund Kallenberg dazu veranlasste, seinen alten Kumpel und ehemaligen Mithäftling ans Messer zu liefern. Dieser hatte nämlich einmal eine unvorsichtige Äußerung gemacht, die ihm nun zum Verhängnis werden sollte.
Zehn Tage später wurde Wilhelm Voigt verhaftet und wenige Wochen danach wegen "unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die Öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung" zu vier Jahren Gefängnis in Tegel, im heutigen Berliner Bezirk Reinickendorf, verurteilt.
Voigt bestritt, die Stadtkasse zur eigenen Bereicherung ausgeraubt zu haben, aber das Gericht glaubte ihm nicht. Allerdings berücksichtigte es bei der Urteilsbemessung, dass Voigt ernsthaft darum bemüht gewesen war, nicht wieder straffällig zu werden und hielt ihm zugute, dass er in die ihm ausweglos erscheinende Lage ohne eigenes Verschulden geraten war.

Die Resonanz
Das Presseecho im In- und Ausland auf diese Köpenickiade war enorm und machte aus Wilhelm Voigt über Nacht einen Medienstar. Voigt hatte - ob nun gewollt oder ungewollt - den Obrigkeitsstaat bloßgestellt und lächerlich gemacht, denn Kadavergehorsam und die übersteigerte Ehrfurcht vor der Uniform hatten dieses Gaunerstück erst ermöglicht.
Die Berliner Volkszeitung formulierte es so:

So unsagbar komisch, so unbeschreiblich lächerlich diese Geschichte ist, eine so beschämend ernste Seite hat sie. Das Köpenicker Gaunerstückchen stellt sich dar als der glänzendste Sieg, den jemals der militaristische Gedanke in seiner äußersten Zuspitzung davongetragen hat. Das gestrige Intermezzo lehrt klipp und klar: Umkleide dich in Preußen-Deutschland mit einer Uniform, und du bist allmächtig. [....] In der Tat: Der Held von Köpenick, er hat den Zeitgeist richtig erfasst. Er steht auf der Höhe intelligentester Würdigung moderner Machtfaktoren. Der Mann ist ein Realpolitiker allerersten Ranges - Der Sieg des militärischen Kadavergehorsams über die gesunde Vernunft, über die Staatsordnung, über die Persönlichkeit des einzelnen, das ist es, was sich gestern in der Köpenicker Komödie in grotesk-entsetzlicher Art offenbart hat.

Als Kaiser Wilhelm II Voigt schließlich begnadigte und dieser im August 1908 auf freien Fuß gesetzt wurde, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Wilhelm Voigt erhielt unzählige Briefe aus der Bevölkerung und wurde von Pressefotografen verfolgt. Nur wenige Tage nach seiner Entlassung wurde eine Wachsfigur von ihm im Wachsfigurenkabinett Castans Panoptikum Unter den Linden enthüllt.

Diesmal wurde Wilhelm Voigt nicht wieder straffällig. Er nutzte seine Popularität und schlug daraus Kapital. 1909 veröffentlichte er eine Autobiografie mit dem Titel "Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde", gab Autogramme und begab sich mit seiner Geschichte auf eine Reise, die ihn quer durch Deutschland und selbst in die USA und nach Kanada führte.
Von den Einnahmen erwarb er ein Haus in Luxemburg.
Wilhelm Voigt starb am 3. Januar 1922 im Alter von 72 Jahren an einem Lungenleiden.
Seine letzte Ruhe fand er auf dem Liebfrauenfriedhof in Luxemburg.

Der Hauptmann von Köpenick steht heute in Bronze gegossen vor dem Hauptportal jenes Rathauses, das er einst zum Gespött einer weltweiten Öffentlichkeit machte. Auch eine Gedenktafel und eine Dauerausstellung im Rathaus erinnern an ihn.
Carl Zuckmayer widmete Wilhelm Voigt in seiner Tragikomödie "Der Hauptmann von Köpenick" ein literarisches Denkmal.
In den Sommermonaten finden samstags die Gardeaufzüge im Hof des historischen Rathauses statt.
Mehrmals wurde das Leben von Wilhelm Voigt für das Kino und das Fernsehen verfilmt und es existiert auch ein Musical.
In Berlin-Köpenick gibt es eine Hauptmann-von-Köpenick-Grundschule.

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