Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Madame Du Titre

Madame Du Titre wurde am 27. Januar 1748 in Berlin als Marie Anne George geboren und starb am 22. Juli 1827, ebenfalls in Berlin. Ihre Eltern waren der Brauereibesitzer Benjamin George und seine Frau Sara.
Marie Anne war das neunte von zehn Kindern und enstammte hugenottischen Einwanderern aus Metz, die es in ihrer neuen Heimat zu Wohlstand und Ansehen gebracht hatten. Die Familie besaß Ländereien nahe der Weidendammer Brücke, die im Berliner Bezirk Mitte über die Spree führt. Die sich dort befindliche heutige Georgenstraße führt ihren Namen wahrscheinlich auf diese Familie zurück.

Am 25. März 1781 heiratete Marie Anne den 14 Jahre älteren Baumwoll-, Seiden- und Kattunhändler Etienne Du Titre, der zu den reichsten Männern Berlins zählte und die größte Baumwollmanufaktur der Stadt betrieb.
Das Paar besaß ein Haus in der Poststraße 26, nahe der Nikolaikirche in Berlin-Mitte. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: ein Sohn, der schon als Dreijähriger starb und zwei Töchter, Sara Augustine und Marie Louise. Sara Augustine heiratete einen Kaufmann und Marie Louise den Bankier Wilhelm Christian Benecke, der 1829 als Baron Benecke von Gröditzberg in den Adelsstand erhoben wurde.

Madame Du Titre bewegte sich als Paradiesvogel inmitten der feinen und vornehmen Gesellschaft. Ungeniert bediente sie sich eines waschechten Berliner Dialektes und fiel durch Mutterwitz, Schlagfertigkeit und einer gewissen Nonchalance aus dem Rahmen. Sie war in ihrer Art einzigartig und ein echtes Berliner Original.

Marie Anne starb am 22. Juli 1827 an Wassersucht. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Französischen Friedhof. Ihr Grab, das zu den rund 800 Berliner Ehrengräbern gehört, schmückt ein gusseisernes Kreuz aus der Königlichen Eisengießerei.

Um die Person der Madame du Titre ranken sich unzählige Anekdoten. Einige von ihnen gibt es in mehreren Variationen, anderen fehlen glaubwürdige Quellen und wieder andere sind frei erfunden.
Es erschienen Zeitungsartikel über sie und es gab sogar ein Lustspiel, das 1898 im Neuen Königlichen Opernhaus uraufgeführt wurde.

Da sich im Laufe der Jahre das Bild von Marie Anne immer mehr verwischte und verfälschte, sah sich eine ihrer Enkelinnen schließlich dazu genötigt, in einem Artikel in der Berliner National-Zeitung Unwahrheiten und Irrtümer aus der Welt zu schaffen. Ihre Großmutter sei weder derb, respektlos oder ungebildet gewesen. Stattdessen bezeichnete sie ihre Vorfahrin als würdevoll, elegant und lebhaft, die trotz einer gewissen Naivität den Nagel stets auf den Kopf traf und mit der König Friedrich Wilhelm III gerne ein Schwätzchen hielt.

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