Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Ernst Reuter

Ernst Rudolf Johannes Reuter wurde am 29. Juli 1889 in Apenrade (Aabenraa im heutigen Dänemark) geboren und starb am 29. September 1953 in Berlin.
Vom 7.12.1948 bis 29.9.1953 war er Oberbürgermeister von Westberlin und einer der bedeutendsten Nachkriegspolitiker. Für Berlin war er ein Glücksfall.

Die frühen Jahre
Die Jahre in Russland
Zurück in Deutschland
Verfolgung und Exil
Die Jahre in Berlin
Der frühe Tod

Die frühen Jahre
Reuter war das einzige Kind von Wilhelm Reuter und dessen Ehefrau Karoline. Der Vater verdiente seinen Unterhalt viele Jahre als Kapitän zur See, bevor er an der Königlich Preußischen Navigationsschule in Apenrade unterrichtete. 1892 zog er mit seiner Familie nach Leer in Ostfriesland, wo er die dortige Seefahrtsschule leitete.
Schon früh versuchte Reuter, seinem protestantisch-konservativ geprägten Elternhaus und der bürgerlichen Enge zu entrinnen, was ihn in immer wieder in Konflikte mit seinem Vater stürzte.

Nach dem Abitur, das er 1907 in Leer ablegte, studierte Reuter in Marburg und München Philosophie und Sozialwissenschaften und er trat 1912 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei, für die er auch journalistisch tätig wurde.
Im selben Jahr legte Reuter auch das Staatsexamen ab.

Die Jahre in Russland
Während des Ersten Weltkrieges wurde Reuter 1916 an der Ostfront durch einen Durchschuss im Oberschenkel schwer verwundet und blieb sein Leben lang gehbehindert. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft, wo er viele seiner Mitgefangenen durch seine Agitationen gegen den Krieg beeindruckte, denn mehr als jemals zuvor war er der Ansicht, dass sich etwas Grundsätzliches an den bestehenden Verhältnissen ändern musste.

Reuter musste zunächst in einem Kohlebergwerk bei Obolensk schwere Zwangsarbeit verrichten, stieg durch die Perfektionierung der Landessprache aber schon bald zum unentbehrlichen Verwalter auf.
Als im Oktober 1917 die Kommunisten unter der Führung Lenins die Macht in Russland ergriffen und der Bergwerksbesitzer enteignet wurde, ernannten die Aufständischen Reuter zum Bergwerksbetreiber.

Reuter, der inzwischen selbst zu einem radikalen Bolschewiken mutiert war, wurde 1918 von Josef Stalin, dem damaligen Volkskommissar für Nationalitätenfragen, zum Volkskommissar der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen in Saratow ernannt, wo er für rund 500.000 deutschstämmige Einwohner verantwortlich war.
Doch schon bald erhielt Reuters Weltbild Risse, denn der blutige Bürgerkrieg, der im Land tobte, verschlechterte die Lage der Bevölkerung zusehends und der Terror der Mächtigen richtete sich bald gegen die ohnehin schon notleidende Bevölkerung. Hinrichtungen und politische Morde warfen finstere Schatten auf die russische Revolution. Reuter, der Gewalt zutiefst verabscheute, war über die Grausamkeiten, die das Land heimsuchten, tief bestürzt.
Da erreichte ihn die Nachricht von der Novemberrevolution in Deutschland. Jetzt hielt ihn nichts mehr in Russland. Reuter wollte in seiner Heimat für eine möglichst unblutige Revolution sorgen.

Zurück in Deutschland
Unter dem Pseudonym "Friesland" reiste Reuter illegal in die junge und umkämpfte Republik ein, doch er wurde denunziert und erhielt drei Monate Haft.
Zu einer Revolution kam es in Deutschland, das nach der Abdankung von Wilhelm II in Anarchie und Chaos zu versinken drohte, allerdings nicht, denn der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

Am 7. Januar 1920 heiratete Reuter Lotte Krappek und bekam mit ihr zwei Kinder: Tochter Hella kam noch im selben Jahr zur Welt, Sohn Gerd Harry ein Jahr später. Harry floh 1935 nach England ins Exil. 1938 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an und wurde Professor für Mathematik.

Reuter beteiligte sich an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und machte dort auf Grund seiner guten Beziehungen zu Russland schnell Karriere. 1921 wurde er erster Generalsekretär.
Da Reuter sich aber für eine eigenständige und von Russland unabhängige Partei einsetzte, erregte er schnell das Missfallen Stalins. Es kam zur Amtsenthebung und zum Parteiausschluss.
1922 trat Reuter in die SPD ein und zog nach Berlin. Hier gelang dem Pragmatiker und Organisator abermals ein schneller Aufstieg. Im Spätsommer 1926 wurde er zum Stadtrat für das Verkehrswesen berufen und war an der Gründung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), dem damals weltweit größten öffentlichen Nahverkehrsverbund, maßgeblich beteiligt.

Im Frühjahr 1927 ließ Reuter sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete wenig später Hanna Kleinert, die als Sekretärin beim "Vorwärts", der Parteizeitung der Sozialdemokraten, arbeitete. Aus dieser Ehe ging Sohn Edzard hervor, der spätere Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG..

Von 1931 bis 1933 bekleidete Reuter in Magdeburg, das von der Weltwirtschaftskrise besonders stark betroffen war und deshalb auch eine hohe Arbeitslosenzahl aufwies, das Amt des Oberbürgermeisters.
Er sanierte die Finanzen der Stadt, sorgte für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und gründete die Winternothilfe.

Verfolgung und Exil
Im März 1933 wurde Reuter von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben und kurz darauf von der Gestapo verhaftet. Diese verbrachte ihn in das sächsische KZ Lichtenburg, wo Reuter schweren Misshandlungen ausgesetzt war.
1934 hatte sein Martyrium schließlich ein Ende - er wurde aus der Haft entlassen.

Reuter ging in die Türkei, erlernte die Landessprache und arbeitete in Ankara im Wirtschafts- und Verkehrsministerium als Aufbauhelfer. Heutzutage gilt Reuter in der Türkei als Begründer der modernen Stadtplanung.
Nach zwölf Jahren kehrte Reuter nach Deutschland zurück.
Am 20. Oktober 1946 fanden die letzten freien Wahlen für Gesamt-Berlin statt. Die SED erreichte dabei magere 19,8%, während der Wahlsieger, die SPD, Ernst Reuter zum Oberbürgermeister der Stadt berief. Doch die Sowjets wehrten sich dagegen, denn Stalin war Reuters erbitterter Gegner.

Die Jahre in Berlin
Nach Einführung der Währungsreform in Westdeutschland und Westberlin kam es zur Berlin-Blockade. Alle Zufahrtswege auf dem Lande, auf dem Wasser und auf der Schiene in die Westzonen Berlins wurden von den Sowjets abgeschnitten.
Die Amerikaner entschlossen sich, die 2,2 Millionen Berliner allein über eine Luftbrücke zu versorgen.
Kurz vor dem Start der "Operation Vittles", wie die Amerikaner die Luftbrücke nannten, kam es zu einem Treffen zwischen dem General und Militärgouverneur der amerikanischen Zone Lucius D. Clay und Reuter. Die Amerikaner wollten wissen, ob die Moral und der Durchhaltewille der Berliner stark genug waren, um die schwierigen Zeiten durchzustehen.
Reuter antwortete nur: "Kümmern Sie sich um die Luftbrücke, ich kümmere mich um die Berliner".
Reuter mobilisierte den Widerstand der Berliner gegen die kommunistische Aggression.
"Wir haben nein gesagt, wir werden nein sagen und wir werden wieder nein sagen, solange noch ein Atemzug in uns lebendig ist!"

Die Luftbrücke nahm ihren Anfang und eine beispiellose, 322 Tage andauernde Hilfsaktion wurde gestartet.
Am 9. September, während der Luftbrücke, hielt Reuter vor dem Reichstagsgebäude die größte Rede seines Lebens. Er wollte die Berliner ermutigen, sie zusammenschweißen im Kampf gegen die kommunistische Bedrohung, aber er richtete seine Worte nicht nur an sie sondern an alle Länder der freien Welt.

"Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt! Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist. Das Volk von Berlin hat gesprochen. Wir haben unsere Pflicht getan, und wir werden unsere Pflicht weiter tun. Völker der Welt! Tut auch ihr eure Pflicht und helft uns in der Zeit, die vor uns steht, nicht nur mit dem Dröhnen eurer Flugzeuge, nicht nur mit den Transportmöglichkeiten, die ihr hierher schafft, sondern mit dem standhaften und unzerstörbaren Einstehen für die gemeinsamen Ideale, die allein unsere Zukunft und die auch allein eure Zukunft sichern können. Völker der Welt, schaut auf Berlin! Und Volk von Berlin, sei dessen gewiss, diesen Kampf, den wollen, diesen Kampf, den werden wir gewinnen"

Diese leidenschaftlichen und bewegenden Worte verfehlten bei den Berlinern ihre Wirkung nicht.
Im Mai 1949 gaben die Sowjets die Blockade endlich auf und Reuter wurde als Retter Westberlins gefeiert.

In den Folgejahren setzte Reuter sich für die Einbeziehung Berlins nach Westdeutschland und in den Marshallplan ein. Darüber hinaus rang er der Bundesregierung eine Reihe von dauerhaften Berlin-Hilfen ab.
Er gehörte auch den fünf Repräsentanten Berlins im Parlamentarischen Rat an, der das Grundgesetz erarbeitete und zählt somit zu dessen Vätern.

Am 7. Dezember 1948 wurde Reuter einstimmig zum Oberbürgermeister Westberlins gewählt. Bis zu seinem Tod führte er dieses Amt aus.
In zähen Verhandlungen erreichte Reuter die Zustimmung der westlichen Alliierten, das Besatzungsstatut dahingehend zu ändern, dass es möglich wurde, bundesrepublikanische Gesetze auf Westberlin zu übertragen und internationale Verträge, die die Bundesrepublik einging, auf Westberlin auszudehnen.
Damit sorgte Reuter nicht nur für Rechtsgleichheit sondern er verhinderte auch eine Abnabelung Westberlins vom Bundesgebiet.
Dass Reuter sich in manch anderen Dingen nicht durchsetzen konnte, lag an dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer, der ihn ein ums andere Mal ausbremste.
Weihnachten 1952 rief Reuter die Bevölkerung dazu auf, Kerzen in die Fenster zu stellen, um so an die vielen deutschen Soldaten zu erinnern, die sich noch immer in Kriegsgefangenschaft befanden.

Der frühe Tod
Von den Ereignissen des Arbeiteraufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR und dessen blutigen Niederschlagung erfuhr Ernst Reuter während seines Auslandsurlaubs.
Nur wenige Wochen danach, am 29. September, starb einer der wichtigsten und beliebtesten Oberbürgermeister Berlins an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von nur 64 Jahren.
Die Nachricht von seinem Tod schockierte die Berliner. Tausende stellten zum Gedenken an ihn Kerzen in ihre Fenster....
Tief bewegt nahmen Hunderttausende Abschied von Ernst Reuter, der zunächst im Rathaus Schöneberg aufgebahrt und am 3. Oktober 1953 in einem Staatsakt auf dem Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf in einem Ehrengrab neben seine Frau Hanna zur ewigen Ruhe gebettet wurde.

Nach Reuters Tod wurden in vielen deutschen Städten Straßen und Plätze sowie Schulen und sonstige Einrichtungen nach ihm benannt.
In Berlin gibt es neben einem Ernst-Reuter-Platz im Bezirk Charlottenburg auch eine U-Bahnstation, eine Oberschule und eine Wohnsiedlung im Bezirk Mitte., die den Namen Ernst Reuter tragen.
Zudem gibt es eine Ernst-Reuter-Plakette, eine "Ernst-Reuter-Gesellschaft", einen "Ernst-Reuter-Preis" und ein "Ernst-Reuter-Stipendium".
Selbst in den USA wurde er geehrt. So widmete ihm die amerikanische Post in ihrer Serie: "Champion of Liberty" eine Briefmarke.

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