Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Carl von Ossietzky

Carl von Ossietzky wurde am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren und starb am 4. Mai 1938 in Berlin.
Er war ein Journalist, Schriftsteller, Pazifist und Friedensnobelpreisträger.

Die frühen Jahre
Umzug nach Berlin
Der Pazifist
Die Nationalsozialisten
Der Friedensnobelpreis
Krankheit und Tod
Ehrungen
Nachtrag

Die frühen Jahre
Carl von Ossietzky war das einzige Kind des aus Schlesien stammenden Stenografen Carl Ignatius von Ossietzky und dessen Ehefrau Rosalie Pratzka.
Ossietzkys Großvater väterlicherseits arbeitete als Stenograf in der Kanzlei des Senators und späteren Hamburger Bürgermeisters Max Predöhl, der sich um dessen Enkel Carl kümmerte, als dieser im Alter von nur drei Jahren seinen Vater verlor.
Carl wurde am 10. November 1889 in der katholischen Kirche St. Ansgar getauft, aber am 23. März 1904 in der evangelisch-lutherischen Kirche St. Michaelis konfirmiert.
Predöhl setzte sich dafür ein, dass Ossietzky die Rumbaumsche Schule, eine private Mittelschule, besuchen konnte.

Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes heiratete die Mutter den Bildhauer und Sozialdemokraten Gustav Walther. Carl verstand sich gut mit seinem Stiefvater, einem Anhänger der Sozialdemokratie, der sich seiner annahm und ihn für Politik begeisterte. Besonders prägend für den Jungen waren die Reden des damaligen SPD-Vorsitzenden August Bebel.
Ossietzkys schulische Leistungen ließen indes - besonders im Fach Mathematik - zu wünschen übrig, so dass dieser die Lehranstalt schließlich ohne Abschluss verließ.
Wieder war es Predöhl, der sich um seinen Schützling kümmerte und ihm eine Stelle als Hilfsschreiber beim Hamburger Amtsgericht verschaffte. Drei Jahre später wurde er in das Grundbuchamt versetzt. Sieben Jahre übte Ossietzy diese ungeliebte Arbeit aus.

1908 trat Ossietzky der neugegründeten Demokratischen Vereinigung (DV) um Theodor Barth, Hellmut von Gerlach und Rudolf Breitscheid bei und wurde außerdem Mitglied der 1892 gegründeten Deutschen Friedensgesellschaft (DFG). Mitglieder dieser ältesten deutschen Friedensorganisation waren Persönlichkeiten wie Kurt Tucholsky, Paul Löbe und Generalmajor Paul von Schoenaich.
1911 erhielt Ossietzky eine Tätigkeit bei der Zeitschrift "Das freie Volk".

Am 19. August 1913 heiratete Ossietzky die Frauenrechtlerin Maud Lichfield-Wood, Tochter eines wohlhabenden britischen Offiziers und Urenkelin einer indischen Prinzessin. Dankbar stürzte sich die englische Boulevardpresse auf diese als nicht standesgemäß empfundene Hochzeit.
Das Paar bekam eine Tochter, Rosalinde.

Die erste unliebsame Bekanntschaft mit der Justiz machte Ossietzky im Jahr 1914 wegen des von ihm verfassten Artikels "Das Erfurter Urteil", in dem er die Militärjustiz anprangerte. Ossietzky wurde wegen "Beleidigung der Militärgerichtsbarkeit" zu einer Geldstrafe von 200 Reichsmark verurteilt.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Ossietzky zunächst als untauglich gemustert. Zwei Jahre später wurde er aber doch noch eingezogen. Er kam als Armierungssoldat an die deutsche Westfront, wurde also nicht direkt in die Kampfhandlungen involviert. Zu seinen Aufgaben gehörten der Bau, die Instandhaltung und der Betrieb der Befestigungsanlagen.
Nach Kriegsende versuchte Ossietzky, als Journalist Fuß zu fassen, was aber anfangs nicht leicht war. So hielt sich Ossietzky mit mehr oder minder gut bezahlten Jobs über Wasser, so beispielsweise als Lektor im Pfadweiser-Verlag.
1919 arbeitete Ossietzky zunächst für den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat und trat dem Freimaurerbund "Zur aufgehenden Sonne" bei, in dem auch Kurt Tucholsky Mitglied war.

Umzug nach Berlin
Im selben Jahr wurde Ossietzky erster Vorsitzender der Hamburger DFG-Sektion und zog kurz danach als Generalsekretär der DFG mit seiner Familie nach Berlin, wo er im Oktober 1919 zusammen mit Gleichgesinnten den "Friedensbund der Kriegsteilnehmer" (FdK) gründete. Dieser Organisation kehrte er aber bereits ein Jahr später den Rücken.
Ossietzky arbeitete als Redakteur für die sozialdemokratische "Volks-Zeitung", verfasste unter dem Pseudonym Thomas Murner Artikel in den Monistischen Monatsheften und wurde Mitinitiator der Friedensbewegung "Nie wieder Krieg!". Auch hier war Kurt Tucholsky Mitglied.

1924 wurde Ossietzky Mitbegründer der Republikanischen Partei (RPD). Als die Partei in der Reichstagswahl sang- und klanglos unterging und nur 0,17 Prozent auf sich vereinen konnte, wurde sie wieder aufgelöst.
Von 1924 bis 1926 arbeitete er in der Redaktion der linksliberalen Wochenzeitung "Das Tage-Buch" und beim "Montag-Morgen".
Nachdem sich Tucholsky bei Siegfried Jacobsohn, dem Herausgeber der Berliner Wochenzeitschrift "Die Weltbühne" für Carl von Ossietzky als Mitarbeiter eingesetzt hatte, erhielt dieser eine Anstellung. Nach Jacobsohns Tod am 3. Dezember 1926 wurde Ossietzky Chefredakteur der "Weltbühne", Tucholsky war sein engster Mitarbeiter.

Der Pazifist
Vehement kämpfte er in seinen Artikeln für die Weimarer Republik und gegen die Parteien und die Politiker, die die Republik durch vermeintlich verantwortungsloses Verhalten schwächten und in ihrer Existenz gefährdeten. Wegen seiner heftigen Kritik an der Wiederaufrüstung stand Ossietzky mehrmals vor Gericht.

Ossietzky ging ganz und gar in seiner Arbeit auf. Maud hatte ihren Ehemann an seine Arbeit verloren. Ein Familienleben gab es kaum noch. Maud ertränkte ihre Trauer und ihre Einsamkeit immer öfter im Alkohol, die Tochter kam vorübergehend in ein Kinderheim.
"Das Blatt nahm mir meinen Vater und machte meine Mutter krank", beschrieb Rosalinde später die Jahre ihres Vaters bei der Weltbühne.

1931 erregte Ossietzky nach einem Artikel in der Weltbühne über die geheime und verbotene Aufrüstung der Reichswehr weltweite Aufmerksamkeit. Am 23. November 1931 wurde er wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu 18 Monaten Haft verurteilt.
Der mit ihm angeklagte Flugzeugkonstrukteur und Journalist Walter Kreiser floh nach Frankreich, Ossietzky aber blieb und stellte ein Gnadengesuch. Reichspräsident Hindenburg, der über dieses Gnadengesuch zu entscheiden hatte, lehnte es ab, was kein Wunder war, hatte Ossietzky den Politiker doch noch kurz zuvor als politische Null bezeichnet.
Am 10. Mai 1932 trat Ossietzky seine Haftstrafe im Gefängnis Berlin-Tegel an. Auf Grund einer Weihnachtsamnestie für politische Häftlinge wurde er aber am 22. Dezember 1932 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Die Nationalsozialisten
Seine Zeitgenossen beschrieben Carl von Ossietzky als still, introvertiert und bescheiden. Sein umgängliches und kameradschaftliches Wesen ließ so gar nichts von seinem aggressiven, couragierten und wortgewaltigen Schriften und Artikeln erahnen.
Die Gefahren, die von der NSDAP und Hitler ausgingen, unterschätzte Ossietzky gewaltig. Der nationalsozialistischen Bewegung traute er keine Zukunft zu und Hitler verspottete er.
Schon bald merkte Ossietzky, wie sehr er sich in seiner Einschätzung geirrt hatte, dennoch lehnte er eine Emigration ins Ausland ab, was bei vielen seiner Freunde und Bekannten auf Unverständnis stieß.
Am 28. Februar, in der Nacht, in der der Reichstag brannte, wurde er inhaftiert. Anderen gelang die Flucht ins Ausland. Zwar war Ossietzky vor der Rückkehr in seine Wohnung gewarnt worden, aber dieser schlug die Warnungen in den Wind, wahrscheinlich weniger aus Heldenmut oder Leichtsinn als vielmehr aus Sorge um seine Ehefrau.

Die Weltbühne wurde verboten. Am 7. März 1933 erschien sie ein letztes Mal. Im Exil erschien die Zeitschrift bis 1939 als "Die neue Weltbühne".
Am 10. Mai 1933, dem Tag der Bücherverbrennungen in Berlin und 21 anderen deutschen Universitätsstädten warfen die Studenten u.a. auch Werke von Ossietzky und Tucholsky in die Flammen:
"Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften von Tucholsky und Ossietzky!"
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Im April 1933 wurde Ossietzky in das Konzentrationslager Sonnenburg (bei Küstrin) verbracht und 1934 von dort in das KZ Esterwegen (Emsland). Dort wurde er zur Zwangsarbeit bei der Trockenlegung der emsländischen Hochmoore eingeteilt. Die Arbeit war hart, die Bedingungen unmenschlich.
Ende 1934 war Ossietzky dermaßen geschwächt, dass er in das Krankenlager verlegt wurde.

Der Friedensnobelpreis
Seine besorgten Freunde versuchten, das Schicksal um den KZ-Häftling Ossietzky in das Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken. Im Namen der Deutschen Liga für Menschenrechte stellten sie den Antrag zur Ehrung Ossietzkys mit dem Friedensnobelpreis. Die internationale Presse wurde auf Ossietzky aufmerksam.
Als dieser Versuch misslang, wurde im darauffolgenden Jahr ein zweiter Anlauf gestartet, auf das Nobelpreiskomitee Einfluss zu nehmen. Allerdings scheiterte auch dieser Versuch zunächst wegen des politischen Drucks der Nationalsozialisten auf Norwegen.
Doch die Freunde gaben nicht auf, was schließlich dazu führte, dass der schwerkranke Ossietzky kurz vor den Olympischen Spielen 1936 aus dem KZ freikam und in das Staatskrankenhaus in Berlin verlegt wurde. Am 7. November 1936 wurde Ossietzky schließlich aus der Haft entlassen, stand aber auch weiterhin unter der Bewachung der Gestapo.
Willy Brandt, der bereits 1933 nach Norwegen emigriert war, koordinierte und bündelte die verschiedenen Initiativen. Zu den Unterstützern gehörten u.a. die Schriftsteller Romain Rolland, H. G. Wells, die Brüder Thomas und Heinrich Mann, der Philosoph Bertrand Russell, der Schweizer Theologe Karl Barth und der Physiker Albert Einstein.
Am 23. November 1936 war es dann endlich soweit: Carl von Ossietzky wurde rückwirkend der Friedensnobelpreis des Jahres 1935 verliehen. Die Annahme des Nobelpreises und des Preisgeldes wurde ihm zwar erlaubt, nicht aber die persönliche Entgegennahme des Preises in Oslo. Somit fand die Preisverleihung ohne Carl von Ossietzky statt.
Adolf Hitler verfügte anschließend, dass kein Deutscher mehr einen Nobelpreis annehmen dürfe. Stattdessen wurde von 1937 an der Deutsche Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft vergeben.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises hatte Ossietzky zwar die Freiheit gebracht, um das Preisgeld von 100.000 Mark wurde er aber betrogen. Der ehemalige Anwalt Kurt Wannow, den Ossietzky gebeten hatte, das Preisgeld in Oslo für ihn abzuholen, veruntreute das Geld. Zwar wurde der Betrüger im Februar 1938 deswegen verurteilt, von den 100.000 Mark war allerdings kaum noch etwas übrig.

Krankheit und Tod
Nur wenige Tage nach der Verleihung des Friedensnobelpreises wurde Ossietzky in das Krankenhaus Nordend in Niederschönhausen im Berliner Bezirk Pankow eingeliefert, wo eine lebensgefährliche Lungentuberkulose diagnostiziert wurde.
Am 4. Mai 1938 starb Carl von Ossietzky im Alter von 48 Jahren an den Folgen der im KZ erlittenen schweren Misshandlungen und der Tuberkulose.
Seine letzte Ruhe fand er in einem Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Friedhof 4 in Berlin-Niederschönhausen. Auch seine Ehefrau Maud wurde auf diesem Friedhof beerdigt.
Nach dem Tod ihres Ehemannes emigrierte Maud mit ihrer Tochter zunächst nach England und dann nach Schweden.


Ehrungen
In Berlin-Pankow gibt es einen Ossietzkyplatz, eine Ossietzkystraße und ein Carl-von-Ossietzky-Gymnasium.
Berlin-Kreuzberg hat eine Gemeinschaftsschule nach Carl-von-Ossietzky benannt.
Seit 1962 verleiht die deutsche Internationale Liga für Menschenrechte in Berlin die Carl-von-Ossietzky-Medaille an Personen, die sich in besonderer Weise um die Verwirklichung der Menschenrechte verdient gemacht haben. Prominente Preisträger sind u.a. Helmut Gollwitzer, Heinrich Böll, Heinrich Albertz, Rudolf Bahro, Günter Wallraff und Heinrich Grüber.

Nachtrag
Bei der Bewertung der politischen Bedeutung von Carl von Ossietzky gehen die Meinungen weit auseinander. Für die einen ist er ein Dulder und Märtyrer, der sich freiwillig und unerschrocken der Willkür der Nationalsozialisten auslieferte und für die anderen gehört Ossietzky zu den Totengräbern der Weimarer Republik, da er immer wieder unnachsichtig und unversöhnlich die Repräsentanten der ohnehin schon stark geschwächten Republik attackierte und Missstände der Republik und ihrer Instiutionen aufdeckte und an den Pranger stellte.

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