Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Charlotte von Mahlsdorf

Charlotte von Mahlsdorf wurde als Lothar Berfelde am 18. März 1928 in Berlin geboren und starb am 30. April 2002 während eines Berlin-Aufenthalts an Herzversagen.

Charlotte war eine schillernde, eine schrille und schräge Figur - so, wie es sich für ein Berliner Original nun einmal gehört. Viele Legenden ranken sich um ihr Leben und so manche Legende wurde von Charlotte von Mahlsdorf selbst gesponnen.
Vieles von dem, was sie schrieb oder sagte, entspringt einer regen Fantasie und entbehrt wahrscheinlich auch jeglicher Grundlage.

Fest steht, dass Klein-Lothar schon sehr früh das Gefühl hatte, im falschen Körper zu stecken und so benahm er sich nicht nur wie ein Mädchen sondern kleidete sich auch gerne wie ein solches.
Durch die Arbeit bei einem Trödelhändler entwickelte er frühzeitig eine Vorliebe zu Trödel und Tand.
1944 verließ seine Mutter die Familie. Sein Vater, ein strammes NSDAP-Mitglied, drängte seinen Sohn zum Eintritt in die Hitler-Jugend.
Die letzten Monate der Nazi-Diktatur verbrachte Lothar Berfelde zunächst in der Psychiatrie und danach im Jugendgefängnis, da er nach einer heftigen Auseinandersetzung seinen Vater eines Nachts im Schlaf erschlagen hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lothar auf freien Fuß gesetzt und verdiente fortan als Trödler seinen Lebensunterhalt. Lothar mutierte nun mehr und mehr zu Lottchen und ein Berliner Original ward geboren: "Charlotte von Mahlsdorf" .
"Mit mir hat sich die Natur einen Scherz erlaubt", war ihr Standardsatz.

1959/60 entstand das Gründerzeitmuseum, das sie mit ihrer reichlichen Sammlung an Alltagsgegenständen aus der Gründerzeit und mit alten Möbeln bestückt hatte. Zudem setzte sie sich für den Erhalt des Gutshauses Mahlsdorf ein, in dem sich das Museum befand.
Langsam wurde Charlotte bekannt, zunächst nur in der Schwulen- und Transvestitenszene, dann aber auch in Film- und Künstlerkreisen. So erhielt sie in dem Film "Coming out" von Heiner Carow aus dem Jahre 1989 eine Nebenrolle.
Die DDR duldete dieses bunte Treiben, denn Charlotte hatte sich bei der Stasi als IM verpflichtet. Nach der Wende entschuldigte sie ihre Mitarbeit damit, dass sie niemandem geschadet habe.

Immer wieder wurden Charlotte und ihr Museum Schauplatz gewalttätiger Übergriffe. Nach einem Überfall von Neonazis im Jahre 1991, bei dem mehrere Partygäste verletzt wurden, fasste Charlotte den Entschluss, Deutschland zu verlassen. 1997 siedelte sie nach Porla Brunn in Schweden um und gründete dort ebenfalls ein Museum.
1992 erhielt Charlotte von Mahlsdorf das Bundesverdienstkreuz.

Das vom Land Berlin erworbene Gründerzeitmuseum wurde 1997 vom Förderverein Gutshaus Mahlsdorf e.V. wiedereröffnet.
Charlotte von Mahlsdorf, die 2002 während eines Berlinbesuches starb, wurde auf dem Evangelischen Waldfriedhof in Mahlsdorf im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf neben ihrer Mutter beigesetzt.

Sogar an ihrem Grab noch schieden sich die Geister. Während der Grabstein ursprünglich mit dem Titel ihrer Autobiographie "Ich bin meine eigene Frau" und den Daten von Charlotte von Mahlsdorf beschriftet werden sollte, beharrten die Angehörigen auf "Lothar Berfelde 1928 - 2002 genannt Charlotte von Mahlsdorf. Dem Museumsgründer zur Erinnerung".
Charlotte von Mahlsdorf war eben ihr Leben lang eine umstrittene Persönlichkeit - warum hätte dies mit ihrem Tod auch einfach so enden sollen?

Das Gründerzeitmuseum beherbergt heute die umfangreichste Sammlung von Gegenständen der Gründerzeit.

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