Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Max Liebermann

Max Liebermann wurde am 20. Juli 1847 in Berlin geboren und starb am 8. Februar 1935 ebenfalls in Berlin. Er war das zweite von vier Kindern des jüdischen Industriellen Louis Liebermann und dessen Frau Philippine Haller, Tochter eines Juweliers.
Max Liebermann war Maler, Grafiker und einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Impressionismus und somit auch Wegbereiter der Moderne in Deutschland.

Die Jugendjahre
Die Anfänge
Die Erfolge
Die Nationalsozialisten
Die letzten Jahre

Die Jugendjahre
Schon im Kindesalter zeigte Liebermann eine große Begabung für Zeichnen und Malen. Die Eltern unterstützten das Interesse ihres Sohnes, indem sie ihm Unterricht bei Privatlehrern wie Eduard Holbein und Carl Steffeck ermöglichten. Sie taten dies aber nicht, um ihrem Sohn die Zukunft als Künstler zu ebnen sondern um ihm die verhasste Schule etwas erträglicher zu machen, denn Lehranstalten waren dem Sprössling zutiefst zuwider.

Auf Drängen seines Vaters schrieb sich Liebermann nach dem Abitur an der Friedrich-Wilhelm-Universität ein. An ernsthaftes Studieren dachte Max allerdings nicht und so währte das Studentenleben nicht lange, denn im Januar 1868 exmatrikulierte ihn die Universität wegen "Studienunfleißes".
Zwar reagierte der Vater zunächst höchst verärgert über die Faulheit seines Sohnes, ermöglichte ihm aber dann doch den Besuch der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar, an der er von 1869 bis 1872 lernte.
Max war beeindruckt sowohl von den Werken Rembrandts als auch von dem belgischen Historienmaler Ferdinand Pauwels.
In Wilhelm von Bode, den Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums, fand Max einen Freund und Förderer.

Die Anfänge
Im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) diente Liebermann als Sanitäter. Zu diesem Einsatz hatte er sich freiwillig gemeldet.
Sein erstes großes Gemälde "Gänserupferinnen" aus dem Jahr 1872 stieß auf der Berliner Akademieausstellung auf heftige Ablehnung und Liebermanns Ruf als "Apostel der Hässlichkeit" war geboren. Seine Malerei galt als schmutzig und unheroisch und dies galt auch für sein zweites größeres Werk "Die Konservenmacherinnen".

Enttäuscht verlegte Liebermann seinen Wohnsitz für sechs Jahre nach Paris, um sich dort mit der modernen französischen Kunstszene und ihren Künstlern vertraut zu machen und in Kontakt mit dem französischen Impressionismus zu treten.
Mit der Weltausstellung in Paris rückte auch Liebermann in das Licht der Öffentlichkeit. Er wurde mit einer Ehrenmedaille geehrt und in die Société des Beaux-Arts aufgenommen. Auf den Orden der Ehrenlegion verzichtete Liebermann allerdings aus Rücksicht auf die preußische Regierung und seine Landsleute, die seine Nähe zu dem Erbfeind Frankreich mit Argwohn beäugten.

Im Jahr 1876 reiste Liebermann mit der finanziellen Unterstützung seines älteren Bruders Georg nach Holland, wo seine ersten Bilder in der Technik der Freilichtmalerei entstanden. Die intensive Beschäftigung mit Frans Hals beeinflusste und inspirierte auch seine eigenen Werke.
Immer wieder kehrte Liebermann in den Folgejahren nach Holland zurück.
1881 lernte er den niederländischen Maler Jozef Israëls kennen. Mit ihm verband ihn eine lebenslange Freundschaft.
Liebermann stellte einfache Menschen bei ihrer Arbeit dar, rückte Weber, Näherinnen, Schuster, Bauern und Handwerker in den Mittelpunkt und zeigte den Alltag in den Waisen- und Altmännerhäusern.
Dies war neu und ungewohnt und stieß deswegen auf heftige Kritik. Nur wenige, darunter Adolph von Menzel, verteidigten den wagemutigen Künstler.

1878 zog Liebermann nach München, wo sein Bild "Der zwölfjährige Jesus im Tempel" einen Skandal auslöste. Schnell mischten sich in die allgemeine Empörung der Konservativen auch antisemitische Äußerungen und Beschimpfungen. Dass ein jüdischer Künstler es gewagt hatte, ein Motiv aus dem Leben Christi auf die Leinwand zu bannen, weitete sich zu einem Skandal aus, der sogar den Bayerischen Landtag beschäftigte.
1884 kehrte Liebermann nach Berlin zurück, wo er am 14. September desselben Jahres Martha Marckwald, die Schwester seiner Schwägerin, heiratete. Die Flitterwochen verlebte das Paar in Holland und in Begleitung von Jozef Israëls.
Aus der Ehe ging die Tochter (Marianne Henriette) Käthe (1885-1952) hervor, die am 19. August 1885 zur Welt kam.

Eine für ihn bedeutende Bekanntschaft machte Liebermann im Jahr 1885, als er Alfred Lichtwark traf. Dieser avancierte ein Jahr später zum Direktor der Hamburger Kunsthalle und wurde zu einem seiner wichtigsten Förderer.
Nach dem Tod seiner Mutter 1892 bezog Max mit seiner Familie das direkt neben dem Brandenburger Tor gelegene Elternhaus, das Palais Liebermann.
Nur zwei Jahre später verstarb auch sein Vater. Vater und Sohn war es kurze Zeit zuvor gelungen, sich nach den jahrelangen Querelen endlich zu versöhnen.
Max, der ein Millionenvermögen erbte, baute das Palais nach seinen Wünschen und Bedürfnissen aus.

Nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I im März 1888 folgte Friedrich III auf den Thron. Liebermann hatte die Hoffnung, dass mit seiner Regentschaft auch in Preußen ein Wandel zur parlamentarischen Monarchie erfolgen würde, doch schon 99 Tage nach der Krönung wurden diese Hoffnungen mit dem Tod des Monarchen hinfällig.
Obwohl Liebermann dem liberalen Bürgertum anhing, fühlte er sich nicht zuletzt wegen seiner Erziehung den Hohenzollern verbunden.
Liebermann, der beim Tode von Friedrich III in Bad Kösen weilte, malte eine fiktive Gedächtnisfeier für den verstorbenen Kaiser.

Die Erfolge
Allmählich machte sich Liebermann einen Namen als Porträtmaler. Beschränkten sich seine Modelle anfangs nur auf hohe Militärs, so war es bald die vornehme Gesellschaft, die sich von ihm in Öl auf die Leinwand bannen ließ.
Für das 1895 entstandene Porträt von Gerhart Hauptmann erhielt Liebermann in Venedig den ersten Preis.
Als sich sein Freund und Arzt Ferdinand Sauerbruch einmal beschwerte, dass er so lange für ein Porträt stillsitzen musste, antwortete dieser ihm: "Wenn Sie einen Fehler machen, dann deckt ihn anderntags der grüne Rasen. Aber einen Fehler von mir sieht man über hundert Jahre an der Wand hängen".
Ende 1927 porträtierte Liebermann den Reichspräsidenten Hindenburg, worin Liebermann eine Ehrung und Anerkennung sah.

Auch die Motive änderten sich: war es jahrelang nur das einfache Volk, das er auf die Leinwand bannte, waren es nun preußische Großbürger. Markant für die Malerei Liebermanns wurden die "Sonnenflecken", das Licht einfallender Sonnenstrahlen, das durch das Blattwerk der Bäume schimmert und gelbe und weiße Farbtupfer auf Kies-und Waldwege zaubert.

1894 nahm Liebermann an einer Ausstellung der Pariser Salons teil und veröffentlichte 1896 mit einem Fachartikel über den französischen Maler Edgar Degas in der Zeitschrift "PAN" seine erste schriftstellerische Arbeit.
1897 wurde er zum Professor der Königlichen Akademie der Künste in Berlin ernannt.
Durch seine Fürsprache wurden u.a. auch Max Pechstein, Heinrich Zille und Otto Dix in die Akademie aufgenommen.

Als Liebermann sich als Jurymitglied der "Großen Berliner Kunstausstellung" vergeblich für die Prämierung der Werke von Käthe Kollwitz und Walter Leistikow einsetzte, was nicht zuletzt auf den Widertand von Wilhelm II zurückzuführen war, gründete Liebermann mit anderen Künstlern im Mai 1898 die "Berliner Secession", die sich als Alternative zum verkrusteten Akademiebetrieb verstand. Max Liebermann wurde Präsident, ein Amt, das er bis 1911 innehatte. In jenen Jahren stand der Maler im Zenit seines künstlerischen Schaffens.
1903 veröffentlichte Liebermann "Die Phantasie in der Malerei".
Diese Schrift polarisierte, war sie doch ein Plädoyer für den Naturalismus und Impressionismus und richtete sich gegen die abstrakte Kunst im Allgemeinen und den Expressionismus im Besonderen.
Als 1910 expressionistische Werke von der "Berliner Secession" ausgeschlossen wurden, verließen einige junge Künstler um Max Pechstein die Gruppe und gründeten die "Neue Secession".

Im Sommer 1910 bezog Liebermann seine Wannseevilla, sein wichtigstes Refugium in stürmischen Zeiten. Hier entstanden viele Bilder von der Familie und der feudalen Gartenanlage.
Königin Wilhelmina verlieh dem Künstler den Hausorden von Oranien und die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin ernannte ihn zum Ehrendoktor.
Außerdem war Liebermann Mitglied der Kunsthochschulen in Brüssel, Mailand, Stockholm und Wien.
1911 trat Liebermann von dem Vorsitz der "Berliner Secession" zurück. Sein Nachfolger wurde Lovis Corinth, einer seiner lebenslangen Gegner.
1914 schloss Liebermann sich der "Freien Secession" an.

Max Liebermann, der von dem allgemeinen Patriotismus erfasst wurde und künstlerische Kriegspropaganda betrieb, unterzeichnete im Herbst 1914 das "Manifest der 93", in dem Intellektuelle wie Professoren, Schriftsteller und Künstler in einem "Aufruf an die Kulturwelt" die dem Deutschen Reich angelasteten Kriegsverbrechen mit einem sechsfachen "Es ist nicht wahr!" zurückwiesen und zur Solidarisierung mit dem deutschen Volk aufriefen.
Nach Kriegsende bedauerte Liebermann diese Unterschrift.

Anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 1927 wurden Liebermann und seine Werke von der Öffentlichkeit und der Kunstszene ausgiebig gefeiert. Unter den Gratulanten befanden sich so bekannte Persönlichkeiten wie Heinrich Zille, Albert Einstein, die Gebrüder Mann und Hugo von Hofmannsthal.
Von 1920 bis 1933 leitete Liebermann die Preußische Akademie der Künste und wurde 1932 zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannt. Zuvor war er wegen einer ernsthaften Erkrankung von dem Amt als Akademiepräsident zurückgetreten.

Die Nationalsozialisten
Liebermann sah das Erstarken der Nationalsozialisten mit tiefer Besorgnis. 1922 schon hatten Rechtsradikale den Sohn seines Vetters Emil, den Außenminister Walther Rathenau, ermordet.
Als die SA am 30. Januar 1933 schließlich in einem Fackelzug durch das Brandenburger Tor zog, wurde dies von Liebermann voller Abscheu kommentiert: "Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte".
Dennoch hatte sich Liebermann nicht öffentlich gegen die restriktive Kulturpolitik zur Wehr gesetzt, so wie es Albert Einstein, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Erich Kästner und Arnold Zweig in ihrem "Dringenden Appell" von 1932 getan hatten.

Als die antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten immer heftigere Formen annahm, moderne Kunst als "entartet" aus den Museen verbannt wurde und es im Mai 1933 zur Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz in Berlin kam, legte Liebermann, der seit 1927 Ehrenbürger der Stadt Berlin war, aus Protest all seine öffentlichen Ämter nieder.
Nachdem der Maler mit einem Berufs- und Arbeitsverbot belegt worden war, zog er sich verbittert und angewidert aus der Öffentlichkeit zurück und vergrub sich in seiner Villa am Wannsee. Nur wenige - wie seine alte Weggefährtin Käthe Kollwitz - hielten ihm jetzt noch die Treue.
Kurz vor seinem Tod gestand der gesellschaftlich geächtete Liebermann einem Besucher: "Ich lebe nur noch aus Hass [....] Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster dieser Zimmer, ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen".
Am 8. Februar 1935, im Alter von 87 Jahren, starb Max Liebermann.
Seine letzte Ruhe fand er auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee in Berlin-Pankow.

Die inzwischen gleichgeschalteten Medien berichteten kaum etwas über Liebermanns Tod und auch die Akademie der Künste ehrte ihren verstorbenen Präsidenten mit keinem einzigen Wort. Auch die Stadt Berlin äußerte sich nicht über den Tod ihres Ehrenbürgers und so wurde Max Liebermann in aller Stille im Freundes- und Verwandtenkreis beerdigt. Unter den Trauergästen befanden sich Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Ferdinand Sauerbruch, Max Jacob Friedländer und Karl Scheffler, der auch die Trauerrede hielt.

Die letzten Jahre
Die Tochter Käthe, die 1915 den Legationsrat Dr. Kurt Riezler geheiratet hatte, emigrierte mit ihrer Familie 1939 in die USA.
Acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes, am 10. März 1943, starb auch Martha Liebermann im Jüdischen Krankenhaus von Berlin. Von den jahrelangen Schikanen der Nationalsozialisten zermürbt, erlitt sie im Winter 1942/43 einen Schlaganfall. Aus Angst vor der bevorstehenden Deportation ins KZ Theresienstadt nahm sich die 85jährige mit einer Überdosis des Schlafmittels Veronal das Leben.

Das Palais Liebermann wurde im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt.
Für Martha Liebermann wurde am 8. Juni 2005 auf dem Pariser Platz ein Stolperstein gesetzt.
In Berlin-Pankow gibt es eine Liebermannstraße und einen Liebermannweg.
In Berlin-Zehlendorf gibt es eine Max-Liebermann-Allee.
Die 1995 gegründete Max Liebermann-Gesellschaft in Berlin hat die am Wannsee gelegene Villa des Malers vor dem Verfall gerettet und das Gebäude in ein Museum umgewandelt.

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