Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Rahel Hirsch

Rahel Hirsch wurde als eines von elf Kindern am 15. September 1870 in Frankfurt/Main geboren und starb am 6. Oktober 1953 in London.
Sie war Ärztin und Preußens erste Professorin für Medizin.

Rahel Hirsch schlug zunächst die gleiche berufliche Laufbahn ein wie ihr Vater Mendel, der Direktor an einer jüdischen Höheren Töchterschule war. Nach ihrem Abitur im Jahre 1885 studierte sie Pädagogik und wurde Lehrerin.
Allerdings musste sie schon bald erkennen, dass sie der Lehrerberuf nicht befriedigte und so entschloss sich die inzwischen 28-jährige, den ungeliebten Beruf an den Nagel zu hängen und Medizin zu studieren.
Um sich ihren Berufswunsch erfüllen zu können, musste Rahel Hirsch zunächst nach Zürich übersiedeln, denn Frauen wurde im damaligen Deutschen Kaiserreich der Zugang zu einem Medizinstudium verwehrt.
Das Staatsexamen legte sie 1903 in Straßburg ab, wo sie auch promovierte.

Eine Volontär- und Assistententätigkeit fand Rahel Hirsch an der Berliner Charité, wo sie sich ganz der Forschung widmen konnte, beispielsweise auf dem Gebiet der "Durchlässigkeit der Darmschleimhaut für großkorpuskuläre Elemente durch die Erythrozyten des Dünndarmepithels und ihrer Ausscheidung mit dem Harn". Mit Hilfe von kleinen Stärkekörnern hatte Rahel Hirsch demonstriert, dass Elementarteilchen in der Lage sind, ohne Schädigung von Gefäßen oder Nerven die Nierenrinde zu durchdringen und unverändert in den Harn gelangen und ausgeschieden werden.
Da dies aber der gängigen Lehrmeinung widersprach, die solche Eigenschaften ausnahmslos Flüssigkeiten zuschrieb, wurden ihre Erkenntnisse von der Konferenz der Gesellschaft der Chefärzte der Charité ignoriert und als nicht stichhaltig abgelehnt.
Die Bestätigung ihrer Entdeckung und die Anerkennung ließen sehr lange auf sich warten.

Zwar wurde Rahel Hirsch, die inzwischen Leiterin der Poliklinik war, 1913 zur Professorin für Innere Medizin ernannt, Dozentur oder Lehrstuhl blieben ihr aber verwehrt.
Für ihre Forschungstätigkeit an der Charité bezog sie kein reguläres Gehalt und weder die Leitung der Poliklinik noch die Professur konnten daran etwas ändern.
Zermürbt von den ständigen Diskriminierungen, denen sie als Frau und Jüdin an der Charité ausgesetzt war, verließ sie 1919 die Klinik und konzentrierte sich nur noch auf ihre gutgehende Praxis am Kurfürstendamm.

Unter den Nationalsozialisten wurde Rahel Hirsch wegen ihrer jüdischen Wurzeln die Kassenzulassung entzogen und die Behandlung von "Ariern" verboten. Als sie schließlich um Leib und Leben fürchten musste, floh sie 1938 zu einer Schwester nach London.
Ein Happy End wartete hier in London allerdings nicht auf Rahel Hirsch. Ihr Leben hatte sie zwar retten können, ihren geliebten Arztberuf musste sie jedoch aufgeben, da die Briten ihre Approbation nicht anerkannten und die inzwischen fast 70-jährige nicht mehr die Kraft und Energie besaß, die staatlichen Prüfungen abzulegen, die für eine Approbation in Großbritannien notwendig gewesen wären. So verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt zunächst als Laborassistentin und später als Übersetzerin.

Das Leben der einst so starken und kämpferischen Rahel Hirsch endete in einer Londoner Nervenklinik. Schon jahrelang hatten tiefe Depressionen und eine schwere Paranoia ihr das Leben zur Hölle gemacht. Schließlich wurde die inzwischen 83-jährige am 6. Oktober 1953 von ihrem qualvollen Leiden erlöst. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Jüdischen Friedhof in London.

Alle Ehrungen für Rahel Hirsch erfolgten erst nach ihrem Tod.
Israel nahm Rahel Hirsch in die Galerie berühmter jüdischer Wissenschaftler auf.
Erst 1957 wurde ihre Entdeckung durch den an der Charité tätigen Mediziner Dr. Gerhard Volkheimer bestätigt und nach ihr benannt (Hirsch-Effekt).
Die Charité erinnert seit 1995 mit einer Bronzeplastik an ihre bemerkenswerte Ärztin und Pionierin.
Die Stadt Berlin hat 2006 eine Straße zwischen Hauptbahnhof und Spree nach Rahel Hirsch benannt.
Es wäre Rahel Hirsch zu wünschen gewesen, schon zu Lebzeiten geehrt zu werden, aber immerhin konnte verhindert werden, dass diese außergewöhnliche Frau in Vergessenheit geriet.

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