Berlin - Impressionen einer Metropole Berlin, Oberbaumbrücke und Fernsehturm

Havel

Der Name Havel ist dem germanischen "Habula" entlehnt, was soviel bedeutet wie "die Buchtenreiche" und in der Tat weist die Havel keinen geraden Flusslauf auf sondern schlängelt sich in Mäanderform durch die Landschaft, wobei sie zahlreiche Seen bildet, von denen die bekanntesten der Griebnitz- und der Wannsee sind. Aber auch der zweitgrößte See Berlins, der Tegeler See, verdankt seine Existenz der Havel.

Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Flusslauf begradigt und Feuchtwiesen für die Landwirtschaft trockengelegt. Zahlreiche Wehren und Schleusen regulieren die Wasserstraße, die schon im Mittelalter Garant für eine prosperierende Wirtschaft war, denn sie ermöglichte den Bewohnern Handel, Gewerbe und die lebenswichtige Fischerei.

Obere Havel
Untere Havel

Obere Havel
Die Havel entspringt in der Mecklenburgischen Seenplatte bei Ankershagen nordöstlich des Müritz-Nationalparks, fließt anschließend durch Brandenburg und Berlin und mündet in Sachsen-Anhalt bei Havelberg in die Elbe. Die Havel hat eine Länge von 325 Kilometern, wobei die direkte Entfernung zwischen Quelle und Mündung nur 94 Kilometer beträgt. Als drittgrößter Nebenfluss der Elbe bewältigt sie einen Höhenunterschied von 40,6 Metern.
Ihr größter Nebenfluss ist die Spree, die doppelt so viel Wasser führt wie die Havel und diese auch in der Länge übertrifft.

Wesenberg in Mecklenburg-Vorpommern ist die erste Stadt, die die Havel erreicht und hier befindet sich auch die erste Schleuse. Danach durchfließt die Havel das brandenburgische Fürstenberg und gelangt nach Zehdenick, das einst über große Tonvorkommen verfügte und zu den größten Ziegeleirevieren Europas zählte. Von hier aus wurde das für das aufstrebende Berlin der Gründerzeit so wichtige Baumaterial über ein Netz von Kanälen transportiert. Auch das so dringend benötigte Bauholz, Brennmaterial und Konsumgüter gelangten über die Havel in die Hauptstadt.
Anfang der 1990er Jahre wurde die Ziegelproduktion eingestellt.
Ein Ziegeleipark, ein Schifffahrtsmuseum und eine bis heute erhaltene Zugbrücke erinnern an die einstige Bedeutung Zehdenicks für die Binnenschifffahrt.
Heutzutage sind Frachkähne und Holzflöße aus dem Bild der Flusslandschaft fast verschwunden. Ausflugsdampfer und Wassersportler haben die Havel für sich erobert.

Bei Oranienburg befindet sich der 1914 eröffnete Oder-Havelkanal, der Berlin mit der Oder, dem Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen und der polnischen Ostseeküste verbindet.
Bei Hennigsdorf, am Nieder Neuendorfer See, erreicht der Fluss die Berliner Stadtgrenze. Im Mai 1951 begann die DDR hier mit dem Bau des Havelkanals, der die Obere und die Untere Havel miteinander verbindet und bei Paretz, dem Sommersitz von König Friedrich Wilhelm III und seiner Ehefrau Luise endet.
Bei Hennigsdorf befand sich während des Kalten Krieges auch ein Grenzkontrollpunkt der DDR. Nach der Flucht eines Fahrgastschiffes wurden hier 1961 ausgediente Frachtkähne in den Fluss versenkt, um weitere "Grenzverletzungen" zu verhindern.


Untere Havel
Im Berliner Bezirk Spandau, einst Festungsstadt und Waffenschmiede Preußens, nimmt die Havel das Wasser der Spree auf. Der zwölf Kilometer lange Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal bildet auf Höhe des Berliner Hauptbahnhofs im Bezirk Mitte den nach den Plänen des Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné errichteten und nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt benannten 33.500 m² großen Humboldthafen.

Die Spandauer Schleuse verbindet die Untere und die Obere Havel. Die älteste Schleuse Spandaus stammt aus dem Jahr 1572, die jüngste aus dem Jahr 2002. Unterhalb der Spandauer Schleuse mündet die Spree in die Havel.
Der Fluss war die Lebensader der bis 1920 selbständigen Stadt. Seit der Eingemeindung nach Groß-Berlin ist die Havel eine Berlinerin.
Ein touristisches Highlight ist die Spandauer Zitadelle, die inmitten der Havel liegt und von ihrem Wasser umspült wird.

Auf der Havel fand im August 1567 der sogenannte Knüppelkrieg zwischen Berlin und Spandau statt, eine Volksbelustigung, die sich Kurfürst Joachim II ausgedacht hatte und die schließlich mit einem Eklat endete.

Am Großen Wannsee, einem Havel-Ausläufer, liegt das traditionsreiche und über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Strandbad Wannsee, der Lido von Berlin. Es ist eines der größten europäischen Freibäder an einem Binnengewässer. Die von dem Architekten Richard Ermisch entworfene Anlage steht heute unter Denkmalschutz.
Südwestlich von Berlin befindet sich die Pfaueninsel, ein 67 Hektar großer Landschaftspark, seit 1990 Weltkulturerbe der UNESCO.

Im Landschaftsschutzgebiet Grunewald im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ragt das Schildhorn, eine rund 110 Meter breite Halbinsel in die Havel hinein und bildet eine kleine Bucht, die Jürgenlanke, ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner.
Hier befindet sich auch das Schildhorn-Denkmal. Einer Sage zufolge kam es hier im Jahr 1157 zu einem blutigen Gemetzel zwischen dem letzen Slawenkönig Jaczo von Köpenick und Albrecht dem Bär aus dem Hause der Askanier. In einer aussichtslosen Lage fleht Jaczo den verhassten Christengott um Beistand an und rettet sich durch einen tollkühnen Sprung in die Havel. Nach seiner Rettung legt Jaczo Schild und Horn ab und wird bekehrt.

Auf seinem Weg nach Westen passiert der Fluss die Tiefwerder Wiesen, das letzte natürliche Überschwemmungs- und Fischlaichgebiet, das Berlin geblieben ist. Die Feuchtwiesen bilden ein von mehreren Seitenarmen der Havel zergliedertes 66,7 Hektar großes Landschaftsschutzgebiet.
90 Kilometer der Unteren Havel werden seit 2014 unter der Leitung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) renaturisiert, indem man die Flussufer freilegt, Deiche abträgt, alte Flussarme öffnet und somit Überflutungsflächen und einen neuen 90 Hektar großen Auwald schafft.
So wird wieder ein natürliches Biotop und Rückzugsgebiet für mehr als 1100 vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten entstehen.
Dieses insgesamt 190 Quadratkilometer umfassende Programm ist das größte Flussrenaturierungsprojekt Europas.

Die Untere Havelniederung gehört zum Biosphärenreservat Mittelelbe und zum Naturpark Westhavelland, dem größten Naturpark Brandenburgs. Hier liegt eines der größten binnenländischen Feuchtgebiete Europas.
Zudem dient die Havelniederung bei Elbhochwasser als Polder und ist ein sehr effizienter Hochwasserschutz.

Die Grenze, die die Havel zwischen Potsdam und Westberlin bildete, stand immer dann im Fokus der Weltöffentlichkeit, wenn wieder einmal auf der sie überquerenden Glienicker Brücke Ost- und Westagenten gegeneinander ausgetauscht wurden.

Nachdem Preußen zu einer europäischen Großmacht aufgestiegen war, erkannten auch die Hohenzollern die Schönheit und den Reiz der Havellandschaft und ließen prächtige Schlösser und Landschaftsgärten anlegen. Der Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt, Peter Joseph Lenné, gestaltete eine einzigartige Kulturlandschaft, die heute ebenfalls zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Von Potsdam, der Hauptstadt Brandenburgs und ehemaligen Residenzstadt der Hohenzollern, fließt die Havel über Caputh nach Werder, das im 16. Jahrhundert ein bedeutendes Weinanbaugebiet war. Heute ist Werder wegen des Baumblütenfestes, das zu den größten Volksfesten Deutschlands zählt, ein Touristenmagnet. Umgeben ist die Stadt vom Schwielowsee, Glindower See, Großem Plessower See und Großem Zernsee, die alle von der Havel gespeist werden.

Schließlich erreicht der Fluss die Stadt Brandenburg an der Havel, Wiege und Namensgeberin der Mark Brandenburg und ihre drittgrößte Stadt. An dieser Stelle verzweigt sich die Havel in mehrere Seitenarme und Kanäle und durchfließt eine Reihe natürlicher Seen. Hier befindet sich auch der Elbe-Havel-Kanal, der durch den Großen Wendsee in Richtung Magdeburg verläuft.

Havelberg, das zweitälteste Bistum Brandenburgs, ist die letzte Stadt, die der Fluss erreicht. Hier ließ einst der Große Kurfürst mit der Unterstützung niederländischer Schiffsbaumeister hochseetüchtige Schiffe bauen.
Hier fließt die Havel in die Elbe und mit ihr schließlich in die Nordsee.

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