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Heinrich Zille

Heinrich Zille

Heinrich Zille wurde am 10. Januar 1858 in Radeburg bei Dresden als Sohn eines Uhrmachers geboren und starb am 9. August 1929 in Berlin.

Zilles Kindheit war geprägt durch die bittere Armut seiner Eltern. Sein arbeitsloser und hochverschuldeter Vater siedelte auf der Flucht vor seinen Gläubigern mit seiner Familie nach Berlin über, wo die Familie in einer im Keller gelegenen Einzimmerwohnung unter erbärmlichsten Bedingungen hauste.
Mit 14 Jahren verließ Zille die Schule und begann eine Lehre als Lithograf. Damit widersetzte er sich dem Wunsch seiner Eltern, die ihn dazu drängen wollten, eine Lehre als Schlachter anzutreten.
Neben seiner Ausbildung belegte Zille Zeichenkurse an der "Königlichen Kunstschule".
1877 wurde Zille von der "Photographischen Gesellschaft Berlin" angestellt. Dort arbeitete er 30 Jahre.

Im Dezember 1883 heiratete Zille Hulda Frieske, eine Lehrerstochter aus Fürstenwalde. Aus der Ehe gingen eine Tochter und zwei Söhne hervor.
1892 bezog das Paar eine Dreizimmerwohnung in der Sophie-Charlotten-Straße 88 im heutigen Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Heute erinnert eine Gedenktafel an den berühmten Mieter von einst.

Zilles Arbeiten drehten sich immer mehr um das "Milljöh", um das bettelarme Berliner Proletariat, das in heruntergekommenen Mietskasernen, dunklen Hinterhöfen, dreckigen Gassen, schummrigen Spelunken und Bordellen sein Dasein fristete.
1907 trennte sich die Photographische Gesellschaft von ihrem allzu sozialkritischen Mitarbeiter. Diesen traf die unerwartete Kündigung schwer. Der mittlerweile schon Fünfzigjährige haderte mit seinem Schicksal, war zutiefst geschockt und empfand das Verhalten seines Arbeitgebers als völlig unangemessen und als schreiende Ungerechtigkeit.
Erst später kam Zille zu der Erkenntnis, dass eben diese Entlassung eine glückliche Fügung des Schicksals war, denn nun begann seine steile Karriere als freischaffender Künstler.

Zille hatte eigene Ausstellungen, arbeitete für Zeitschriften und Illustrierte und erlangte eine immer größer werdende Popularität.
Max Liebermann wurde ein enger Freund Zilles und ein Förderer seiner Karriere. Aber auch Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Ernst Barlach, Kurt Tucholsky und Claire Waldorff gehörten zu seinem Freundeskreis.
Auf Betreiben Liebermanns wurde Zille 1924 in die Akademie der Künste aufgenommen.

Dass Zille den Finger in die Wunde legte und soziale Missstände brandmarkte, machte ihn bei der Obrigkeit nicht gerade beliebt und so waren seine Zeichnungen für Kaiser Wilhelm II "Rinnsteinkunst".
Neben seinem sozialkritischen Engagement fertigte Zille auch Landschafts- und Aktzeichnungen an. Sein Werk "Hurengespräche", das er unter dem Pseudonym W. Pfeifer veröffentlichte, wurde von den damaligen Sittenwächtern verboten und brachte ihm gar eine Geldstrafe von 150 Reichsmark ein.

Aber Heinrich Zille war auch Fotograf. Seine Fotografien dienten ihm oft als Vorlage für seine Skizzen.
Der Rummel um seine Person kannte bald keine Grenzen mehr. Unter seinem Namen ließ sich vieles an den Mann, bzw. an die Frau bringen und es gab sogar "Zille-Hofbälle", bei denen sich Gutbetuchte als Proletarier verkleideten und sich auf Kosten der wirklichen Proletarier amüsierten.

Bei allem Trubel, der um seine Person gemacht wurde, blieb Zille bescheiden und engagierte sich für diejenigen, die er durch seine Werke in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte: sozial Benachteiligte, Arme, Bettler, Prostituierte. Das Schicksal der Kinder aber lag ihm ganz besonders am Herzen.

1919 verlor der inzwischen gicht- und zuckerkranke Zille seine Ehefrau.
Ein Jahr vor seinem Tod wurde zu seinem 70. Geburtstag im Märkischen Museum seinem Lebenswerk eine Ausstellung mit dem Titel "Zilles Werdegang" gewidmet.

Am 9. August 1929 starb Zille an den Folgen zweier Schlaganfälle. Auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf erhielt "Papa Zille" im Beisein vieler Trauergäste ein Ehrenbegräbnis.

Im Jahre 2002 erhielt der "Pinselheinrich" endlich ein Museum. Lange genug hat's gedauert....

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