Wilhelm II von Preußen
Letzter Deutscher Kaiser
Wilhelm II aus dem Hause
Hohenzollern wurde am 27. Januar 1859 im
Kronprinzenpalais in Berlin geboren und starb am 4. Juni 1941 in Doorn (Niederlande). Er war der letzte deutsche Kaiser und der letzte König von Preußen.
Seine Eltern waren der "99 Tage-Kaiser"
Friedrich III von Preußen (1831-1888) und dessen Gemahlin
Victoria von Großbritannien und Irland (1840-1901), die älteste Tochter der englischen Queen Victoria.
Seine dreißigjährige Regentschaft gilt als das "Wilhelminisches Zeitalter"
Die Geburt des Kronprinzen, eine Steißgeburt, verlief äußerst kompliziert und hatte für Wilhelm zur Folge, dass sein linker Arm so sehr geschädigt wurde, dass dieser - in seinem Wachstum gehemmt - gegenüber dem rechten Arm deutlich kürzer war und in seiner Funktionsfähigkeit stark eingeschränkt blieb.
Für die Mutter war die Tatsache, keinen gesunden Thronfolger zur Welt gebracht zu haben, nur schwer zu verwinden und beeinflusste das Verhältnis zu ihrem Sohn nachhaltig.
Die intensiven, teilweise skurrilen, aber dennoch vergeblichen Versuche, den Arm zu heilen, bedeuteten völlig unnötige Qualen und so verbrachte der Thronfolger nach eigenen Aussagen "eine recht unglückliche Kindheit".
Von 1874 bis 1877 besuchte der Kronrpinz ein bürgerliches Gymnasium in Kassel-Wilhelmshöhe. Danach nahm er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn auf.
1881 heiratete er Prinzessin
Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor.
1888 starb sein Großvater
Kaiser Wilhelms I.
Sein Vater folgte ihm als Friedrich III auf den Thron, starb aber bereits nach 99 Tagen an Kehlkopfkrebs. So wurde der Kronprinz noch im selben Jahr, dem songenannten "Drei-Kaiser-Jahr", als Wilhelm II. Deutscher Kaiser und König von Preußen.
Auf Grund von innenpolitischen Differenzen entmachtete Wilhelm II. den Reichskanzler Fürst
Otto von Bismarck und schaffte auch das von ihm initiierte Sozialistengesetz ab.
Des Weiteren verabschiedete er das Bürgerliche Gesetzbuch und förderte Wissenschaft und technischen Fortschritt.
Unter seiner Regentschaft entwickelte sich Deutschland von einem Agrar- zu einem Industriestaat, was zum einen ein wohlhabendes Bürgertum hervorbrachte, zum anderen aber auch ein Proletariat, das in den Berliner Hinterhöfen unter erbärmlichsten Wohnverhältnissen dahinvegetierte - oft thematisiert von
Heinrich Zille.
Durch ungeschicktes Taktieren und undiplomatische Aussagen beschwor der Kaiser gleich mehrere internationale Konflikte herauf und trieb Deutschland zunehmend in die Isolation:
So beglückwünschte Wilhelm III 1896 den Präsidenten der Burenrepublik Paulus Krüger zum erfolgreichen Widerstand gegen englische Angriffe ("Krügerdepesche"), was in England auf herbe Kritik stieß.
Mit dem Beginn der Flottenaufrüstung im Jahre 1898 belastete der Kaiser das Verhältnis zu Großbritannien abermals.
Im Jahre 1900 hielt der Kaiser zur Niederschlagung des Boxeraufstands in China die "Hunnenrede", in welcher er die deutschen Truppen zu gnadenlosen Vergeltungsmaßnahmen mit den Worten aufforderte: "Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!" .
Auch während der beiden Marokkokrisen gab Deutschland unter Kaiser Wilhelm II kein gutes Bild ab.
Innenpolitisch geriet der Kaiser durch die "Eulenburg-Affäre" unter Druck.
Ein von Wilhelm II im Jahre 1908 freigegebenes Interview im Daily Telegraph ließ die Welle der Empörung im In- und Ausland hochschlagen ("Daily-Telegraph-Affäre").
Das Militärbündnis mit Österreich und der vorausgegangene Mord an Erzherzog Franz Ferdinand zog Deutschland 1914 in den Strudel des Ersten Weltkrieges.
Auf Grund innen- und außenpolitischer Zwänge verkündete Reichskanzler Prinz Max von Baden am 9. November 1918 eigenmächtig die Abdankung des Kaisers, woraufhin der Monarch am darauffolgenden Tag in die Niederlande floh, wo er unter der Voraussetzung politischer Enthaltsamkeit Exil erhielt.
Am 28. November 1918 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II die Abdankungsurkunde.
Knapp ein Jahr nach dem Selbstmord seines jüngsten Sohnes Joachim starb auch seine Ehefrau Auguste Viktoria im April 1921. Sie wurde in Potsdam beigesetzt. Ihrem Gatten wurde es nicht gestattet, der Trauerzeremonie beizuwohnen.
Im April 1922 ging Wilhelm eine zweite Ehe mit der Witwe Prinzessin
Hermine Schönaich-Carolath (1887-1947) ein.
Am 4. Juni 1941 starb der letzte deutsche Kaiser an einer Lungenembolie.
Seine letzte Ruhe fand er in Doorn, in den Niederlanden.
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