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Humboldt-Universität
Durch die vernichtende Niederlage bei Jena und Auerstedt hatte Preußen nicht nur die Hälfte seines Territoriums verloren sondern auch seine Universitäten. Nur zwei waren dem Reich geblieben: die Universität in Königsberg und die Universität in Frankfurt.
Staatsminister Freiherr von Stein ersuchte Wilhelm von Humboldt, der sich als preußischer Gesandter im Vatikan aufhielt, nach Berlin zurückzukehren, um hier Sektionsschef für Kultus und Unterricht zu werden und eine Universität zu gründen.
Wilhelm von Humboldt lehnte zunächst ab und ließ sich erst durch Friedrich Wilhelm III zur Rückkehr nach Berlin bewegen, wo er am 16. August 1809 die "Alma Mater Berolinensis" mitbegründete und gleichzeitig auch Preußens Schulsystem reformierte.

Für Humboldt war die Einheit von Forschung und Lehre ganz besonders wichtig, denn kein Professor - so seine Meinung - könne etwas lehren, was er nicht zuvor selbst erforscht habe.
Humboldt berief die fähigsten Köpfe seiner Zeit an die Universität, wie den Philosophen Johann Gottlieb Fichte, den Theologen, Philosophen und Soziologen Friedrich Schleiermacher, den Althistoriker Barthold Georg Niebuhr und den Juristen Friedrich Carl von Savigny.
Intrigen und Eifersüchteleien der Professoren untereinander und die Demütigung durch Hardenberg, der ihm zuvor ein Ministeramt in Aussicht gestellt hatte, nun aber gegen ihn Stellung bezog, veranlassten Humboldt im April 1810, den König um seine Entlassung zu bitten.

Die Universität wurde im Oktober 1810 ohne jeglichen Pomp eröffnet. Der Neubau war noch nicht fertiggestellt, Wände und Flure noch feucht. Gerade einmal 250 Studenten hatten sich immatrikuliert.
Wilhelm von Humboldt hatte zu jenem Zeitpunkt die Stadt schon längst verlassen.

Das Hauptgebäude der Universität ist das ehemalige Palais des Prinzen Heinrich, dem jüngeren Bruder von Friedrich dem Großen und 13. Kind von König Friedrich Wilhelm I und dessen Gemahlin Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg.
Das Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom niederländischen Baumeister und Berliner Baudirektor Jan Bouman errichtet.
Die im Laufe der Jahre mehrfach umgebaute und erweiterte Universität erhielt 1828 den Namen "Friedrich-Wilhelms-Universität" (nach Friedrich Wilhelm III) und trägt erst seit 1949 ihren heutigen Namen.

Während Frauen im Großherzogtum Baden bereits im Jahre 1900 das Recht auf Vollimmatrikulation eingeräumt wurde, mussten Frauen in Preußen bis August 1908 auf diese Möglichkeit warten. Somit war Preußen die vorletzte Region Deutschlands, die Frauen ein Vollstudium ermöglichte. Nur das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin hinkte dieser Entwicklung noch um ein weiteres Jahr hinterher und bildet somit das Schlusslicht.

Die Mikrobiologin Lydia Rabinowitsch-Kempner war die erste Frau in Berlin, der der Professorentitel verliehen wurde.
Die erste Frau, die in Berlin als Dozentin arbeitete, war Lise Meitner, die im Jahre 1926 zur außerordentlichen Professorin für experimentelle Kernphysik ernannt wurde.
Die Jüdin Hedwig Hintze war die erste promovierte Historikerin Deutschlands, wurde allerdings 1933 von den Nazis drangsaliert und ging ins Exil.

Eine traurige Rolle spielte die Universität während der NS-Zeit. Nichts mehr erinnerte in jenen dunklen Jahren an den Geist Wilhelm Humboldts, an die Toleranz, den Humanismus und die Freizügigkeit, für die er stand.
Als auch hier Juden und politisch Andersdenkende verfolgt und vom Lehrbetrieb ausgeschlossen wurden, regte sich kein ernstzunehmender Widerstand.
Am 10. Mai 1933 gipfelte dieser Wahn schließlich in der Bücherverbrennung auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz, dem heutigen Bebelplatz.

Die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gestaltete sich zunächst schwierig, da es an qualifizierten Dozenten fehlte.
Zwar wurde jetzt Studenten, denen vorher aus politischen oder rassistischen Gründen die Immatrikulation verweigert worden war, der Zugang zur Universität gewährt, jedoch wurden nun jene Studenten diskriminiert, die sich der zunehmend kommunistischen Einflussnahme auf den Lehrbetrieb entgegensetzten.
Zudem häuften sich Übergriffe der sowjetischen Geheimpolizei, die unliebsame Studenten verhaftete, verschleppte oder gar exekutierte.

Die Antwort aus dem Westen erfolgte während der Regierungszeit von Ernst Reuter durch die Gründung der "Freien Universität". Sie sollte die Ideale Humboldts und die Freiheit von Lehre und Forschung wachhalten.

Die Universität erlangte während ihres 200-jährigen Bestehens großes internationales Ansehen und kann auf viele prominente Studenten verweisen, wie Heinrich Heine, Otto von Bismarck, Albert von Chamisso, Karl Marx, Karl Liebknecht, Kurt Tucholsky und viele andere mehr.
Aber auch die Reihe der Nobelpreisträger ist überaus beeindruckend.

Nobelpreisträger der Humboldt-Universität zu Berlin

Nobelpreis für Chemie:
1901 Jacobus Henricus van't Hoff (1852-1911)
1902 Emil Fischer (1852-1919)
1905 Adolf von Baeyer (1835-1917)
1907 Eduard Buchner (1860-1917)
1915 Richard Willstätter (1872-1942)
1918 Fritz Haber (1868-1934)
1920 Walther Nernst (1864-1941)
1936 Peter Debye (1884-1966)
1939 Adolf Butenandt (1903-1995)
1944 Otto Hahn (1879-1968)
1950 Otto Diels (1876-1954)

Nobelpreis für Physik:
1911 Wilhelm Wien (1864-1828)
1914 Max von Laue ((1879-1960)
1918 Max Planck (1858-1947)
1921 Albert Einstein (1879-1955)
1925 Gustav Hertz (1887-1975)
1925 James Franck (1882-1864)
1932 Werner Heisenberg (1901-1976)
1933 Erwin Schroedinger (1887-1961)
1954 Walter Bothe (1881-1957)
1954 Max Born (1882-1970)

Nobelpreis für Medizin:
1901 Emil von Behring (1854-1917)
1905 Robert Koch (1843-1910)
1908 Paul Ehrlich (1854-1915)
1910 Albrecht Kossel (1853-1927)
1931 Otto Warburg (1883-1970)
1935 Hans Spemann (1869-1941)
1956 Werner Forssmann (1904-1979)

Nobelpreis für Literatur:
1902 Theodor Mommsen (1817-1903)

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Die Humboldt-Universität in Berlin-Mitte ist die älteste Universität der Stadt. Im Oktober 1810 nahm sie ihren Lehrbetrieb auf. Einer ihrer Gründer ist der Gelehrte und Politiker Wilhelm von Humboldt.
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