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Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin-Moabit (Mitte) in der Lübecker Straße 13 geboren und starb am 21. Dezember 1935 in Hindas bei Göteborg im Alter von 45 Jahren durch eine Überdosis an Barbituraten.
Tucholsky, der Sohn eines jüdischen Bankkaufmanns, hatte zwei jüngere Geschwister, Fritz und Ellen.
Seinen Vater, den er sehr liebte, verlor er als Fünfzehnjähriger. Das Verhältnis zu seiner dominanten Mutter war indes schwierig und konfliktbeladen. Womöglich war dieses gestörte Verhältnis daran schuld, dass Tucholsky später unzählige Liebesverhältnisse hatte und unfähig war, sich ernstlich und dauerhaft an eine einzige Frau zu binden.

1909 begann Tucholsky ein Jurastudium in Berlin und Genf. Ab 1911 schrieb er für den "Vorwärts", dem Blatt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).
1911 zog Tucholsky für die SPD in den Wahlkampf.
1912 erschien sein Kurzroman "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte", der ihn einem größerem Publikum bekannt machte.
Nach seiner Promotion an der Universität in Jena im Jahre 1913, schrieb Tucholsky für die linksliberale Zeitschrift "Die Schaubühne", aus der 1918 das Wochenblatt "Die Weltbühne" entstand. Herausgeber war sein Freund, Lehrer und Ratgeber Siegfried Jacobsohn.
Ein Jahr später schrieb er auch für die Zeitschrift "Der Zeitsparer".

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde der überzeugte Pazifist und Antimilitarist zum Heer eingezogen.
1918 wurde Tucholsky Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Ulk", die von dem Verleger Rudolf Mosse hrausgegeben wurde.
Im gleichen Jahr ließ er sich protestantisch taufen. Der jüdischen Gemeinde gehörte er bereits seit 1914 nicht mehr an.

Im Oktober 1919 veröffentlichte Tucholsky die Gedichtsammlung "Fromme Gesänge" unter dem Pseudonym Theobald Tiger mit einem Vorwort von Ignaz Wrobel, was ebenfalls eines seiner Pseudonyme war.
In der "Weltbühne" erschienen seine Gedichte ab 1918 unter dem Pseudonym Kaspar Hauser.
1920 heiratete er Else Weil, eine jüdische Ärztin, die später in Ausschwitz ermordet wurde. Im selben Jahr wurde Tucholsky Mitglied der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands).
Neun Monate lang arbeitete Tucholsky für das politische und antipolnische Kampfblatt Pieron, was ein schwerer Fehler war, wie er später frei bekannte und bedauerte.
Im Jahre 1923 arbeitete Tucholsky vorübergehend in einem Berliner Bankhaus.

Tucholsky, Demokrat, Sozialist und Anhänger der Arbeiterbewegung war einer der bedeutendsten Gesellschaftskritiker des 20. Jahrhunderts. Er verspottete den Obrigkeitsstaat unter Kaiser Wilhelm II ebenso wie später die schwache und kränkelnde Weimarer Republik und er warnte immer wieder laut und eindringlich vor den Nationalsozialisten, in denen er die größte Gefahr jener Zeit erkannte. Der Justiz - meist auf dem rechten Auge blind - und dem Militär misstraute er in hohem Maße. Aber auch das deutsche Judentum blieb von seiner Kritik nicht ausgespart und selbst Parteifreunde sahen sich immer wieder seinen Angriffen ausgesetzt. Der SPD und ganz besonders Friedrich Ebert warf er Versagen und Verrat vor.
Unbeirrt kämpfte er mit der Macht des Wortes gegen soziale und politische Missstände an.

Bekannt wurde Kurt Tucholsky als Journalist, Essayist, Liedertexter, Literatur- und Theaterkritiker, Lyriker, Schriftsteller und Satiriker. Seine unzähligen Zeitungsartikel veröffentlichte er unter mehreren Pseudonymen, aber er verfasste auch Texte, Lieder und Couplets für das Kabarett, darunter auch für Claire Waldorf.

1924 wurde die Ehe mit Else Weil geschieden. Tucholsky heiratete die aus Riga stammende Mary Gerold, die er während des Ersten Weltkrieges kennengelernt hatte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie die Nachlassverwalterin und Gründerin der Kurt-Tucholsky-Stiftung.
Im selben Jahre ging er als Korrespondent der "Weltbühne" und der "Vossischen Zeitung" nach Paris. Ähnlich wie seinerzeit Heinrich Heine setzte er sich für eine bessere Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen ein.
1926 wurde Tucholsky vorübergehend Herausgeber der "Weltbühne", überließ diesen Posten aber kurz danach seinem Freund Carl von Ossietzky.
1927 erschien "Ein Pyrenäenbuch", das er dem Andenken Siegfried Jacobsohns widmete.

Im Jahre 1929 emigrierte Tucholsky nach Schweden. Im gleichen Jahr erschien die Satire "Deutschland, Deutschland über alles", mit der er nochmals eindringlich vor den Nationalsozialisten warnte. Diese Veröffentlichung war eine schonungslose Abrechnung mit seinem Heimatland, gleichzeitig aber auch eine Liebeserklärung.
1931 erschien der Roman "Schloß Gripsholm", eines seiner bekanntesten Werke.
1933 erfolgte die Scheidung von Mary Gerold.
Seine düstersten Visionen wurden in diesem Jahr wahr. Die Nationalsozialisten ergriffen die Macht, Tucholskys Bücher wurden verbrannt und er selbst aus Deutschland ausgebürgert.

Am 21. Dezember 1935 starb Kurt Tucholsky an einer Überdosis Barbituraten.
Seine Asche wurde in der Nähe des Schlosses Gripsholm im schwedischen Mariefred beigesetzt.
Im Rheinsberger Schloss wurde ihm zu Ehren das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum eingerichtet.

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