Siebenjähriger Krieg (1756-1763)
Die Vorboten des Siebenjährigen Krieges waren der Erste und der Zweite Schlesische Krieg (1740-1742 und 1744-1745), beide entfesselt von
Friedrich II.
Nach dem Tod von Kaiser Karl VI und der Thronbesteigung seiner als schwach geltenden und in Regierungsgeschäften unerfahrenen Tochter Maria Theresia, entbrannte in Europa ein Streit um die Habsburger Erblande.
Friedrich II, dem die nun schon 300 Jahre währende Habsburger Vormachtstellung in Europa ein Dorn im Auge war und der Preußen nur allzu gerne zu einer Großmacht etablieren wollte, nutzte diese Situation aus und erhob nun selbst Ansprüche auf die reiche und strategisch wichtige Provinz Schlesien, die zur österreichischen Krone gehörte.
Im Dezember 1740 marschierte Friedrich ohne Vorwarnung in Schlesien ein.
Maria Theresia, die sich inzwischen mit den Ungarn verbündet hatte, nahm den Fehdehandschuh auf und kämpfte vier Jahre lang gegen die Preußen, ohne dass eine Entscheidung fiel.
Im November 1745 machte Friedrich II der Habsburgerin ein Angebot: ihr Gatte Franz Stephan sollte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation werden, wenn sie im Gegenzug auf Schlesien verzichtete. Maria Theresia nahm an. Zunächst wollte sie die Krone, Schlesien würde sie sich später zurückholen.
Die Pläne dazu reiften in den Folgejahren. Das Ziel ihres engsten Beraters, Graf Kaunitz, war es, Preußen politisch zu isolieren und für Österreich starke Verbündete zu finden.
Die Lage spitzte sich dramatisch zu, als Friedrich die Habsburgerin zusammen mit Madame Pompadour, Mätresse von König Ludwig XV und Zarin Elisabeth I als die "drei Erzhuren Europas" bezeichnete.
Um einem Bündnis zwischen Österreich, Russland und England zuvorzukommen, schloss Friedrich im Januar 1756 ein Verteidigungsbündnis mit England. Dies rief aber nun Frankreich, das einen erbitterten Seekrieg mit England um die Vorherrschaft in Nordamerika und Indien führte, auf den Plan. Frankreich verbündete sich mit den Österreichern. Sachsen, Schweden und Russland traten diesem Bündnis bei.
Im August 1756 überfiel Preußen den Verbündeten Sachsen ohne Kriegserklärung und löste damit den Siebenjährigen Krieg aus.
Zwar waren die Preußen den Verbündeten überlegen, sie hatten aber auch viele Opfer zu beklagen. Um Nachschub an Soldaten zu gewähren, wurden im In- und Ausland Söldner verpflichtet. Die Bevölkerung indes wurde zwangsrekrutiert. Wer mindestens 1.69 m groß war und über ein gutes Gebiss verfügte, das er zum Aufbeißen der Patronen mit dem Pulver benötigte, wurde eingezogen.
In der Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 standen 39000 Preußen rund 66000 Österreichern gegenüber. Der Kampf schien von vornherein verloren, konnte aber schließlich doch dank einer ausgeklügelten Kriegstaktik gewonnen werden, der "schiefen Schlachtordnung", erstmals angewendet in der Schlacht bei Leuktra im Jahr 371 v. Chr. zwischen Sparta und Theben.
Seit dieser denkwürdigen Schlacht bei Leuthen galt Friedrich als der größte Feldherr seiner Zeit.
Der Lobgesang, den die von diesem unerwarteten Sieg überwältigten Soldaten am Abend anstimmten "Nun danket alle Gott" ging als "Choral von Leuthen" in die Geschichte ein.
Dem glorreichen Sieg folgte eine Reihe von vernichtenden Niederlagen. Kälte, Hunger und Krankheiten zehrten die Soldaten aus und die Furcht vor Tod und Verstümmelung demoralisierten sie. Immer mehr von ihnen desertierten und keine noch so drakonische Strafe konnte sie davon abhalten. Der preußische Soldat habe seinen Offizier mehr zu fürchten als den Feind, so sah es Friedrich der Große.
Die Schlacht bei Kunersdorf am 12. August 1759 stürzte die preußischen Truppen in ein Inferno. Diese Katastrophe, die von 48000 Soldaten nur 3000 überlebten, brachte Friedrich an den Rand des psychischen Zusammenbruchs. Niemals war der oft an Depressionen leidende Monarch einem Selbstmord näher, als an jenem Tag. Das Gift hierfür trug er stets in einem Amulett bei sich.
Kurz zuvor war er während der Schlacht von einer Kugel in die Brust getroffen worden. Dennoch überlebte er unverletzt dank einer goldenen Schnupftabakdose, deren Deckel von der Munition durchschlagen wurde. "Mein Unglück ist, dass ich noch lebe", schrieb Friedrich nach Berlin.
Doch obwohl Preußen am Abgrund stand, nutzten die Verbündeten die Gunst der Stunde nicht. Als "Mirakel des Hauses Brandenburg" bezeichnete Friedrich der Große später die wundersame Rettung seines schon am Boden liegenden Reiches.
Zwei Jahre später starb Elisabeth I. Ihr Neffe und Nachfolger war Peter III, ein großer Verehrer von Friedrich dem Großen. Somit verlor Maria Theresia einen wichtigen Verbündeten.
England, das Frankreich in Übersee besiegte hatte und nun die dominierende See- und Kolonialmacht war, zeigte an der Kontinentalpolitik kein Interesse mehr. Auch Frankreich zog sich aus dem Krieg zurück.
Der am 15. Februar 1763 geschlossene Frieden von Hubertusburg beendete den Siebenjährigen Krieg. Schlesien verblieb bei Preußen. Ansonsten gingen weder die Preußen noch die Österreicher als Sieger aus diesem Konflikt hervor.
"Besser ein mittelmäßger Frieden als ein glorreicher Krieg", kommentierte Maria Theresia diesen Friedensschluss.
Der von Friedrich dem Großen ausgelöste Krieg kostete 400.000 Preußen und Brandenburgern das Leben. Dies war der Preis für den Aufstieg Preußens zur Großmacht.
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