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Philipp Scheidemann

Philipp Scheidemann

Philipp Scheidemann wurde am 26. Juli 1865 in Kassel geboren und starb am 29. November 1939 in seinem dänischen Exil in Kopenhagen.

Der Sohn eines Tapezierer- und Polsterermeisters erlernte nach seinem Realschulabschluss das Handwerk eines Schriftsetzers und Buchdruckers.
1883 trat Scheidemann in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein - trotz oder gerade wegen des von Otto von Bismarck erlassenen Sozialistengesetzes, mit dem die SPD verboten wurde.
Außerdem schloss er sich der Gewerkschaft an und war von 1895 bis 1905 Redakteur mehrerer Parteizeitungen.
Zudem veröffentlichte Scheidemann Artikel, Geschichten und im Jahr 1928 seine Autobiographie in zwei Bänden: "Memoiren eines Sozialdemokraten".
1889 heiratete Scheidemann Johanna Dibbern. Aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor.

Von 1903 bis 1933 war Scheidemann Mitglied des Reichstags und von 1906 bis 1911 Stadtverordneter in Kassel.
Von 1913 bis 1918 übernahm Scheidemann gemeinsam mit Hugo Haase den Vorsitz der SPD-Fraktion.

Während des Ersten Weltkriegs vertrat Scheidemann eine eher moderate Linie. Zwar befürwortete er die Bewilligung der Kriegskredite, trat aber andererseits für eine Verständigungs- und Friedenspolitik ein.
Nach der Abspaltung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) wurde Scheidemann Vorstandsmitglied der SPD.
Nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II rief Scheidemann am 9. November 1918 vom Reichstag die deutsche Republik mit folgenden Worten aus:

"Arbeiter und Soldaten! Furchtbar waren die vier Kriegsjahre, grauenhaft waren die Opfer, die das Volk an Gut und Blut hat bringen müssen, der unglückselige Krieg ist zu Ende. Das Morden ist vorbei. Die Folgen des Kriegs, Not und Elend, werden noch viele Jahre lang auf uns lasten. [.....] Arbeiter und Soldaten, seid Euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewußt: Unerhörtes ist geschehen. Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk. Alles durch das Volk. [.....] Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die deutsche Republik".

Kurz darauf rief Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die "Freie Sozialistische Republik" aus.

Am 13. Februar 1919 wurde Scheidemann Reichsministerpräsident, trat aber bald darauf von diesem Amt zurück, da er nicht mit den Friedensbedingungen des Versailler Vertrages einverstanden war. "Welche Hand müsse nicht verdorren, die sich und uns diese Fessel legt?"
Von 1920 bis 1925 bekleidete Scheidemann das Amt des Oberbürgermeisters von Kassel.

Scheidemann war ein Pragmatiker, er war umgänglich, humorvoll und setzte sich - als erklärter Gegner der Hohenzollern - mit Nachdruck für die Sicherung der Republik ein: "Wir lassen uns an Liebe zu unserem Vaterland und zu unserem Volke von niemandem übertreffen."

Sowohl bei den extremen Linken als auch bei den extremen Rechten stieß er als Repräsentant der verhassten Weimarer Republik auf heftige Kritik und strikte Ablehnung, was am 4. Juni 1922 - nur wenige Tage vor dem Attentat auf Walter Rathenau - zu einem Mordanschlag auf Scheidemann führte. Mitglieder der Organisation Consul lauerten ihm auf einem Spaziergang auf und spritzten ihm Blausäure ins Gesicht. Scheidemann überlebte das Attentat jedoch unversehrt, nicht zuletzt wegen einer Pistole, die er stets bei sich trug und mit der er die Angreifer in die Flucht jagen konnte.
Scheidemann traf dieser Anschlag nicht unvorbereitet. Zahlreiche politisch motivierte Morde, wie beispielsweise an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg oder Matthias Erzberger hatten die junge Republik zuvor erschüttert und auch Scheidemann hatte wiederholt Morddrohungen erhalten und sein Haus war mit Hakenkreuzen beschmiert worden.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1933 floh Scheidemann ins Exil. Im August 1933 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.
Scheidemann wurde schließlich in Kopenhagen ansässig, wo er am 29. November 1939 verstarb.
1953 wurde die Asche Scheidemanns nach Kassel überführt, wo er ein Ehrengrab der Stadt erhielt.

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