Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg, die aus einem jüdischen Elternhaus stammte, wurde am 5. März 1871 in Zamosc (Polen) geboren und starb am 15. Januar 1919 in Berlin.
Schon früh beteiligte sie sich an der im Untergrund wirkenden Arbeiterbewegung "Proletariat", wurde verfolgt und floh nach Zürich, wo sie den Doktortitel in Sozialökonomie erlangte.
Da die deutsche Sozialdemokratie zu jener Zeit als die fortschrittlichste Europas galt, zog Rosa 1898 nach Berlin und heiratete hier den Schlosser Gustav Lübeck, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.
In der SPD vertrat die klein gewachsene und gehbehinderte Marxistin, die sich die Revolution des Proletariats auf die Fahne geschrieben hatte, den ultralinken Parteiflügel und machte bald als radikale Rednerin auf sich aufmerksam.
1904 wurde Rosa wegen ihres verbalen Angriffs auf
Wilhelm II wegen Majestätsbeleidigung angeklagt und musste eine sechswöchige Haftstrafe absitzen.
1905 wurde sie erneut zu zwei Monaten Haft verurteilt.
Ab 1907 pflegte sie eine mehrjährige Liebesbeziehung zu Kostja Zetkin, einem littauischen Sozialisten, den sie während ihres Aufenthalts in Zürich kennengelernt hatte. Im Moskauer Institut für Marxismus-Leninismus sind rund 900 Liebesbriefe erhalten. Während Rosa insgeheim von einem bürgerlichen Leben träumte, hatte sich ihr Geliebter ganz und gar der Politik und der sozialistischen Revolution verschrieben.
Zum Entsetzen von Rosa Luxemburg gewährte die SPD im August 1914 dem Kaiserreich die zum Ersten Weltkrieg notwendigen Kredite. Rosas langjähriger Kampf um Friedenserhaltung in Europa war gescheitert und sie trug sich mit Selbstmordgedanken.
Dennoch ließ sie sich nicht entmutigen und organisierte mit Gleichgesinnten eine Opposition zur offiziellen Parteilinie.
Rosas Aufruf zur Kriegsdienstverweigerung zog eine einjährige Haft wegen Hochverrats nach sich. Insgesamt verbrachte sie während des Krieges fast dreieinhalb Jahre im Gefängnis.
Aber auch aus dem Gefängnis heraus rief sie zum Widerstand auf. Ihr wichtigster Mitstreiter wurde
Karl Liebknecht, der bis zu diesem Zeitpunkt als einziger SPD-Abgeordneter seine Zustimmung zu weiteren Kriegskrediten verweigerte. Mit ihm zusammen veröffentlichte Rosa Luxemburg die Spartakusbriefe, die ein Ende des Burgfriedens forderten und die sofortige Einstellung
der Kriegshandlungen.
Die SPD überstand diese Zerreißprobe nicht unbeschadet. Es spaltete sich eine Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) ab, der sich Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit ihrer Untergruppe, dem Spartakusbund, anschlossen.
Bereits im Sommer zeichnete sich ab, dass der Erste Weltkrieg für Deutschland verloren war.
Als trotz der bereits laufenden Vorverhandlungen zum Waffenstillstand die deutsche Marine Ende Oktober 1918 zu einem letzten Gefecht um der Ehre willen gegen die Briten aufgerufen wurde, kam es zu Befehlsverweigerung mehrerer Schlachtschiffsbesatzungen, dem sogenannten Kieler Matrosenaufstand.
Diese Meuterei eskalierte zu einem offenen Aufstand, der Novemberrevolution, die zur Abdankung des Kaisers führte und das Land ins Chaos stürzte.
Nach sowjetischen Vorbild formierten sich in Betrieben und Kasernen Arbeiter- und Soldatenräte.
Am 9. November rief Karl Liebknecht vom Balkon des
Berliner Schlosses die "freie sozialistische Republik" aus.
Kurz zuvor hatte
Philipp Scheidemann die Abdankung des Kaisers verkündet und von einem Fenster des
Reichstages die "deutsche Republik" ausgerufen.
In Berlin etablierten einige Sozialdemokraten unter der Führung von Friedrich Ebert eine provisorische Republik, den Rat der Volksbeauftragten.
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren Gegner dieser Regierung und machten heftig Stimmung gegen sie. Ihre Zeitung "Die Rote Fahne" war ihr Kampfblatt, mit dem sie die Sache der sozialistischen Revolution vorantreiben wollten. Durch Agitationen und Kundgebungen wollten sie die Arbeiter mobilisieren und auf ihre Seite bringen.
Ihr Gegenspieler Friedrich Ebert, der unbedingt eine sozialistische Republik verhindern wollte, fürchtete einen Bürgerkrieg, sollte es ihm nicht gelingen, die Linksradikalen zu stoppen.
Als die Oberste Heeresleitung ihre Hilfe anbot, griff Ebert zu.
Am 6. Dezember 1918 kam es in Berlin zu schweren Ausschreitungen zwischen linken Demonstranten und rechtem Militärs, in denen 14 Aufständische ihr Leben ließen.
Am 16. Dezember trafen sich Sozialdemokraten und Sozialisten zu einem Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte, um über die weitere Zukunft Deutschlands zu entscheiden.
Die Mehrheit der Delegierten unterstützten die Forderung Eberts nach freien Wahlen. Mit 400 zu 50 Stimmen sprach man sich für Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar aus.
Für Rosa Luxemburg und ihre Mitstreiter war dies eine schwere Niederlage. Sie reagierten nur wenige Tage später mit der Gründung der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands), dessen Parteiprogramm Rosa Luxemburg verfasste.
Am 5. Januar 1919 geriet eine Massendemonstration außer Kontrolle. In den Straßen herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Die KPD unterstützte sowohl den bewaffneten Straßenkampf als auch den Generalstreik und rief zum Sturz der Regierung auf. Der sogenannte Spartakusaufstand kostete Hunderten von Menschen das Leben.
Ebert beauftragte Reichswehrminister Noske, sich um Ruhe und Ordnung zu kümmern. Dieser zog Freicorps zusammen, die mit äußerster Gewalt gegen die Aufständischen vorgingen und die Revolution blutig niederschlugen.
Rosa Luxemburg wurde am 15. Januar 1919 zusammen mit Karl Liebknecht gefangengenommen und der Garde-Kavallerie-Schützendivision ausgeliefert, wo sie misshandelt und anschließend ermordet wurden. Die Leiche von Rosa Luxemburg wurde in den
Landwehrkanal geworfen, wo sie drei Wochen später geborgen wurde.
Ob ihr Mörder Waldemar Pabst in Eigenverantwortung handelte oder auf Befehl von Noske und mit Wissen des Reichspräsidenten Ebert, wurde nie mit letzter Sicherheit ermittelt.
Für sein Verbrechen wurde Pabst nie bestraft und so lebte er völlig unbehelligt in der Bundesrepublik Deutschland, wo er im Mai 1970 starb.
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