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Ernst Reuter

Ernst Reuter

Ernst Reuter wurde am 29. Juli 1889 in Apenrade (Aabenraa im heutigen Dänemark) als Sohn eines Lehrers geboren und starb am 29. September 1953 in Berlin. Er war Oberbürgermeister von Westberlin und einer der bedeutendsten Nachkriegspolitiker. Für Berlin war er ein Glücksfall.
Reuters Vater Wilhelm verdiente seinen Unterhalt viele Jahre als Kapitän zur See, ehe er mit seiner Familie nach Leer zog, wo er als Lehrer an der Seefahrtsschule unterrichtete.
Schon früh versuchte Reuter, seinem konservativ geprägten Elternhaus und der bürgerlichen Enge zu entrinnen, was ihn in einen tiefen Konflikt mit seinem Vater stürzte.
Nach seiner Schulzeit in Leer studierte Reuter in Marburg und München Philosophie und Sozialwissenschaften und näherte sich der SPD an, die damals zu den Reichsfeinden zählten.

Während des Ersten Weltkrieges wurde Reuter 1916 an der Ostfront durch einen Durchschuss im Oberschenkel schwer verwundet und blieb sein Leben lang gehbehindert. Er geriet in russische Kriegsgefängenschaft, wo er viele seiner Mitgefangenen durch seine Agitationen gegen den Krieg beeindruckte, denn mehr als jemals zuvor war er der Ansicht, dass sich etwas Grundsätzliches an den bestehenden Verhältnissen ändern musste.

Reuter, der zunächst in einem Kohlebergwerk bei Obolensk schwere Zwangsarbeit verrichten musste, stieg durch die Perfektionierung der Landessprache schon bald zum unentbehrlichen Verwalter auf.
Als im Oktober 1917 die Kommunisten unter der Führung Lenins die Macht in Russland ergriffen und der Bergwerksbesitzer enteignet wurde, ernannten die Aufständischen Reuter zum Bergwerksbetreiber.
Reuter, der inzwischen selbst zu einem radikalen Bolschewiken mutiert war, wurde 1918 von Josef Stalin, dem damaligen Volkskommissar für Nationalitätenfragen, zum Volkskommissar der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen in Saratow ernannt, wo er für rund 500.000 deutschstämmige Einwohner verantwortlich war.
Doch schon bald erhielt Reuters Weltbild Risse, denn der blutige Bürgerkrieg, der im Lande tobte, verschlechterte die Lage der Bevölkerung zusehends und der Terror der Mächtigen richtete sich bald gegen die ohnehin schon notleidende Bevölkerung. Hinrichtungen und politische Morde warfen finstere Schatten auf die russische Revolution. Reuter, der Gewalt zutiefst verabscheute, war über die Grausamkeiten, die das Land heimsuchten, tief bestürzt.

Da erreichte ihn die Nachricht von der Novemberrevolution in Deutschland. Jetzt hielt ihn nichts mehr in Russland. Reuter wollte in seiner Heimat an der Revolution teilnehmen und es dieses Mal besser machen.
Unter dem Pseudonym "Friesland" reiste Reuter illegal in die junge und umkämpfte Republik ein, wurde denunziert und erhielt drei Monate Haft.
Zu einer Revolution kam es in Deutschland, das nach der Abdankung Wilhelm II in Anarchie und Chaos zu versinken drohte, allerdings nicht, denn der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

1920 heiratete Reuter Lotte Krappek und bekam mit ihr zwei Kinder.
Reuter beteiligte sich an der Gründung der KPD und machte dort auf Grund seiner guten Beziehungen zu Russland schnell Karriere. 1921 wurde er erster Generalsekretär.
Da Reuter sich aber für eine eigenständige und von Russland unabhängige Partei einsetzte, erregte er schnell das Missfallen Stalins. Es kam zur Amtsenthebung und zum Parteiausschluss.
1922 trat Reuter in die SPD ein und zog nach Berlin. Hier gelang dem Pragmatiker und Organisator abermals ein schneller Aufstieg. Im Spätsommer 1926 wurde er zum Stadtrat für das Verkehrswesen berufen und war an der Gründung der BVG, dem damals weltweit größten öffentlichen Nahverkehrsverbund, maßgeblich beteiligt.

Im Frühjahr 1927 ließ Reuter sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete wenig später Hanna Kleinert, die als Sekretärin beim "Vorwärts", der Parteizeitung der Sozialdemokraten arbeitete. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor.

Von 1931 bis 1933 bekleidete Reuter in Magdeburg, das von der Weltwirtschaftskrise besonders stark betroffen war und eine hohe Arbeitslosenzahl aufwies, das Amt des Oberbürgermeisters.
Er sanierte die Finanzen der Stadt, sorgte für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und gründete die Winternothilfe.
Im März 1933 wurde Reuter von den Nationalsozialisten des Amtes enthoben. Kurz darauf wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Lichtenburg verbracht, wo er schwer misshandelt und gedemütigt wurde.
1934 hatte sein Martyrium schließlich ein Ende und er wurde aus der Haft entlassen.

Reuter ging in die Türkei, erlernte die Landessprache und arbeitete in Ankara im Wirtschafts- und Verkehrsministerium als Aufbauhelfer. Heutzutage gilt Reuter in der Türkei als Begründer der modernen Stadtplanung.
Nach zwölf Jahren kehrte Reuter nach Deutschland zurück.
1946 fanden die letzten freien Wahlen für Gesamt-Berlin statt. Die SED erreichte dabei magere 19%, während der Wahlsieger, die SPD, Ernst Reuter zum Oberbürgermeister der Stadt beriefen. Doch die Sowjet wehrten sich dagegen, denn Stalin war Reuters erbitterster Gegner.

Nach Einführung der Währungsreform in Westdeutschland und Westberlin kam es zur Berlin-Blockade. Alle Zufahrtswege auf dem Lande, auf dem Wasser und auf der Schiene in die Westzonen Berlins wurden abgeschnitten.
Die Amerikaner entschlossen sich, die 2,2 Millionen Berliner allein über die Luftbrücke zu versorgen.
Kurz vor dem Start der "Operation Vittles", wie die Amerikaner die Luftbrücke nannten, kam es zu einem Treffen zwischen dem General und Militärgouverneur der amerikanischen Zone Lucius D. Clay und Reuter. Die Amerikaner wollten wissen, ob die Moral und der Durchhaltewille der Berliner stark genug waren, um die schwierigen Zeiten durchzustehen.
Reuter antwortete nur: "Kümmern Sie sich um die Luftbrücke, ich kümmere mich um die Berliner".
Reuter mobilisierte den Widerstand der Berliner gegen die kommunistische Aggression. "Wir haben nein gesagt, wir werden nein sagen und wir werden wieder nein sagen, solange noch ein Atemzug in uns lebendig ist!"

Die Luftbrücke nahm ihren Anfang und eine beispiellose, 322 Tage andauernde Hilfsaktion wurde gestartet.
Am 9. September, während der Luftbrücke, hielt Reuter vor dem Reichstagsgebäude die größte Rede seines Lebens. Er wollte die Berliner ermutigen, sie zusammenschweißen im Kampf gegen die kommunistische Bedrohung, aber er richtete seine Worte nicht nur an sie sondern an alle Länder der freien Welt. "Ihr Völker der Welt......, schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!"
Diese leidenschaftlichen und bewegenden Worte verfehlten bei den Berlinern ihre Wirkung nicht.
Im Mai 1949 gaben die Sowjets die Blockade endlich auf und Reuter wurde als Retter Westberlins gefeiert.

In den Folgejahren setzte Reuter sich für die Einbeziehung Berlins nach Westdeutschland und in den Marshallplan ein. Darüber hinaus rang er der Bundesregierung eine Reihe von dauerhaften Berlin-Hilfen ab.
Er gehörte auch den fünf Repräsentanten Berlins im Parlamentarischen Rat an, der das Grundgesetz erarbeitete und zählt somit zu seinen Vätern.

Am 7. Dezember 1948 wurde Reuter einstimmig zum Oberbürgermeister gewählt. Bis zu seinem Tod führte er dieses Amt aus.
In zähen Verhandlungen erreichte Reuter die Zustimmung der westlichen Alliierten, des Besatzungsstatut dahingehend zu ändern, dass es möglich wurde, bundesrepublikanische Gesetze auf Westberlin zu übertragen und internationale Verträge, die die Bundesrepublik einging, auf West-Berlin auszudehnen.
Damit sorgte Reuter nicht nur für Rechtsgleichheit sondern er verhinderte auch eine Abnabelung Westberlins vom Bundesgebiet.
Dass Reuter sich in manch anderen Dingen nicht durchsetzen konnte, lag an Bundeskanzler Konrad Adenauer, der ihn ein ums andere Mal ausbremste.

Die Nachricht von der blutigen Niederschlagung des Arbeiteraufstands vom 17. Juni 1953 erhielt Ernst Reuter während seines Auslandsurlaubs. Nur wenige Wochen danach starb der Oberbürgermeister Berlins an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von nur 64 Jahren.
Seine letzte Ruhe fand Ernst Reuter auf dem Waldfriedhof Zehlendorf im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf-, wo auch seine Frau Hanna beerdigt wurde.

Nach Reuters Tod wurden in vielen deutschen Städten Straßen und Plätze sowie Schulen und sonstige Einrichtungen nach ihm benannt.
Zudem gibt es eine Ernst-Reuter-Plakette, eine "Ernst-Reuter-Gesellschaft", einen "Ernst-Reuter-Preis" und ein "Ernst-Reuter-Stipendium".
Selbst in den USA wurde er geehrt. So widmete ihm die amerikanische Post in ihrer Serie: "Champion of Liberty" eine Briefmarke.

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