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Walther Rathenau

Walther Rathenau

Der aus einem jüdischen Elternhaus stammende Walther Rathenau wurde am 29. September 1867 in Berlin geboren und starb am 24. Juni 1922, ebenfalls in Berlin. Er war der Sohn von Emil Rathenau, dem Gründer der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) und seiner Ehefrau Mathilde (geb. Nachmann).

Von 1886 bis 1889 studierte Rathenau Physik, Chemie und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und promovierte über "Die Absorption des Lichts in Metallen". Von 1889 bis 1890 studierte er in München Maschinenbau.
Danach arbeitete er in der Schweiz und in Bitterfeld und wurde 1899 Vorstandsmitglied der AEG.

Als das Deutsche Kaiserreich im August 1914 die Mobilmachung ausrief, schlug die Stunde von Walther Rathenau. Der Wirtschaftsexperte und Präsident der AEG organisierte in seiner Funktion als Gründer und Leiter des Kriegsrohstoffamtes den Nachschub von Rohstoffen zur Herstellung von Kanonen, Granaten, Sprengstoff und Schießpulver.
Je aussichtsloser und verlustreicher der Krieg wurde, desto mehr richtete sich die Stimmung der Bevölkerung gegen die Industriebosse, die aus dem Krieg riesige Gewinne schöpften, während sie selbst große Entbehrungen auf sich nehmen und tagtäglich um ihr nacktes Überleben kämpfen musste.

Nach Kriegsende enstanden überall im Reich Freicorps. Sie waren das Auffangbecken für die vielen entwurzelten Soldaten, die aus dem Krieg heimgekehrt waren und keine Zukunftsperspektiven sahen.
Eines der wichtigsten Freicorps war die Marine-Brigade Ehrhardt, gegründet von Hermann Ehrhardt, einem deutschnationalen und antisemtischen Korvettenkapitän, der sich mit seinen Soldaten im März 1920 am Kapp-Putsch beteiligte. Als der Umsturzversuch scheiterte und Ehrhardt des Landesverrats beschuldigt wurde, floh dieser von Berlin nach München, wo er sich vor dem Zugriff des Staates sicher fühlen konnte. Er gründete die Organisation Consul, die für viele politisch motivierte Morde die Verantwortung trug.
Eines der prominentesten Opfer des Geheimbundes, der sich den Sturz der Republik auf die Fahnen geschrieben hatte, war der ehemalige Reichsfinanzminister Mathias Erzberger, der im August 1921 von gedungenen Mördern erschossen wurde.

Rathenau, seit 1918 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), nahm 1920 als Mitglied der deutschen Delegation an der Konferenz in Spa (Belgien) teil, wo die Höhe der vom Reich zu zahlenden Kriegsreparationen festgelegt wurde.
Zwar war Deutschland bereit, seinen Verpflichtungen nachzukommen, empfand aber die immense Höhe der Entschädigungen als völlig unrealistisch und unerfüllbar. Dennoch akzeptierte Rathenau, bekannt als geschickter und fairer Verhandlungspartner mit hohem internationalen Ansehen, die harten Forderungen der Siegermächte. Seine Strategie war es, zunächst einmal den guten Willen Deutschlands unter Beweis zu stellen und erst später über Zugeständnisse und Erleichterungen mit den Siegermächten zu verhandeln.

Fortan sah sich der "Erfüllungspolitiker" Rathenau immer heftigeren verbalen Angriffen und Diffamierungen aus rechtsradikalen Kreisen ausgesetzt.
Als es Rathenau - inzwischen Minister für Wiederaufbau - gelang, mit Frankreich auszuhandeln, dass Deutschland seine Kriegsschulden auch mit Sachleistungen begleichen konnte, begegneten ihm seine Gegner mit blankem Hass. Man hetzte gegen die "Judensau" Rathenau, dem Verräter, der seine Heimat an das Ausland verkaufte.
Auch sein Reichtum war immer wieder ein Thema. Nicht nur die hochherrschaftliche Grunewald-Villa neidete man ihm sondern auch das 1909 erworbene Schloss in Freienwalde, welches er als Sommersitz und Refugium nutzte.

Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges stritten Deutschland und Polen um Oberschlesien und die besonders reichen Kohlereviere.
Bei einem Volksentscheid der Oberschlesier im März 1921 entschieden sich zwar 60 Prozent für den Verbleib im Deutschen Reich, aber Polen, das von den Franzosen unterstützt wurde, akzeptierte dieses Votum nicht und es kam zu erneuten Kämpfen.
Da der Reichswehr verboten war, sich in Oberschlesien zu engagieren, beteiligten sich nunmehr mit der Zustimmung der Engländer Freiwilligencorps und die Organisation Consul am Kampf um Oberschlesien.
Im Oktober 1921 entschied der Völkerbund eine Teilung Oberschlesiens, wobei die reichen Kohlereviere an Warschau fielen.

Nun wechselte die OC ihre Strategie, indem sie versuchte, die Weimarer Republik von innen heraus zu zerstören. Man beabsichtigte, das Reich durch zahlreiche Attentate zu destabilisieren und einen Bürgerkrieg zu provozieren.

Immer mehr rückte Rathenau, der Repräsentant der ungeliebten Weimarer Republik, wegen seiner Versöhnungspolitik mit den Siegermächten in das Fadenkreuz der auf Revanche lauernden Offiziere und Deutschnationalen. Die Hetz- und Hasskampagnen gegen ihn wurden noch aggressiver, als Rathenau im Jahre 1922 zum Außenminister berufen wurde.
Als im April 1922 Rathenau zusammen mit Reichskanzler Wirth auf der Finanz- und Wirtschaftskonferenz in Genua hinter dem Rücken der Siegermächte mit der jungen Sowjetunion verhandelten, erreichten sie mit dem Rapallo-Vertrag diplomatische Anerkennung, gegenseitige Wirtschaftshilfe und wechselseitigen Verzicht auf Raparationszahlungen. Dies verhalf Deutschland aus der außenpolitischen Isolation und gewährte ihm Handlungsfreiheit.
Auf der Konferenz von Cannes erreichte Rathenau zudem eine Minderung der deutschen Reparationszahlungen.

Nach dem Mord am ehemaligen Reichsfinanzminister Matthias Erzberger am 26. August 1921 plante die OC ein Attentat auf Philipp Scheidemann, der am 4. Juni 1922 durch eine Blausäure-Spritze getötet werden sollte. Doch Scheidemann gelang es, die Angreifer mit einer Schusswaffe in die Flucht zu schlagen.
Nun war auch das Leben Rathenaus in höchster Gefahr.
Die OC setzte Erwin Kern, Hermann Fischer und Ernst Werner Techow - alle Teilnehmer am gescheiterten Kapp-Putsch - auf Rathenau an.
Das Attentat fand am 24. Juni 1922 statt, als Rathenau von seiner Grunewald-Villa in der Königstraße zum Auswärtigen Amt in die Wilhelmstraße fuhr. Auf Personenschutz hatte Rathenau verzichtet.

Kern, der Kopf des Todeskommandos, bediente das Maschinengewehr, Fischer warf die Handgranate, während Techow das Auto steuerte.
An der Planung des Attentats beteiligt war auch der Schriftsteller Ernst von Salomon, der sich später von dieser Tat distanzierte.
Fünf Kugeln trafen den Außenminister in Rücken, Brust, Lunge, Hals und Unterkiefer, während die Handgranaten den linken Fuß und eine Hand zerfetzten. Er starb in den Armen einer zufällig anwesenden Krankenschwester, die herbeigeeilt war, um erste Hilfe zu leisten. Um 11.00 Uhr wurde vom Arzt der Tod Rathenaus festgestellt.

Mit Wut und Empörung reagierte die Bevölkerung auf dieses Attentat. Hunderttausende demonstrierten für die Demokratie und gegen ihre Feinde. Nie gab es während der Zeit der Weimarer Republik größere Menschenansammlungen.
Die Trauerfeier fand im Berliner Reichstag statt.
Seine letzte Ruhe fand Walther Rathenau auf dem Waldfriedhof in Berlin-Köpenick in einem Ehrengrab.

Die Ermordung Rathenaus war Anlass für das sogenannte Republikschutzgesetz, das die junge Demokratie vor republikfeindlichen und verfassungswidrigen Organisationen schützen sollte.

Die Mörder flüchteten, doch Techow wurde schon fünf Tage nach dem Attentat verhaftet. Kern und Fischer wurden auf der Burg Saaleck gestellt. Fischer wurde bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Kern erschoss sich daraufhin selbst.
Zwar verurteilte der Staatsgerichtshof in Leipzig Techow zu 15 Jahren Zuchthaus und die Hintermänner zwischen zwei Monaten und acht Jahren Zuchthaus, aber bereits 1927 waren alle Beteiligten wieder auf freiem Fuß.

Unter den Nationalsozialisten wurden die Attentäter zu Helden deklariert. Hitler selbst weihte einen Gedenkstein in Saaleck ein.
Ernst Werner Techow kam 1945 durch die Hand eines Rotarmisten ums Leben.

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