Luise von Preußen
(die Königin der Herzen)
Luise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz wurde am 10. März 1776 in Hannover geboren und verstarb am 19. Juli 1810 auf Schloss Hohenzieritz in Mecklenburg-Vorpommern im Alter von nur 34 Jahren. Ihr Vater, Herzog Karl zu Mecklenburg-Strelitz (1741-1816) stammte aus einem der ältesten deutschen Fürstenhäuser. Seine Schwester Charlotte war Königin von England. Er selbst bekleidete den Posten des Gouverneurs von Hannover.
Seine Gemahlin, Friederike, Prinzessin von Hessen-Darmstadt (1752-1782) starb bei der Geburt ihres zehnten Kindes. Luise war zu jener Zeit erst sechs Jahre alt.
Während die Söhne bei ihrem Vater in Hannover blieben, kamen die drei Töchter zu ihrer Großmutter Marie Luise Albertine von Hessen-Darmstadt, wo sie eine ungezwungene und glückliche Kindheit verbringen durften.
Einen großen Anteil an der liberalen Erziehung hatte die Schweizer Erzieherin Salomé de Gélieu, die 1785 an den Hof der Großmutter kam und eine Anhängerin des Philosophen Jean Jacques Rousseau war, der die Meinung vertrat, dass eine gute Erziehung die Kinder respektieren müsse.
Schon bald wurde Salomé de Gélieu zum Mutterersatz für Luise. Unter ihrer Führung wuchs die Prinzessin zu einer starken Persönlichkeit heran und auch noch als Königin schrieb Luise Briefe voller Zuneigung und Dankbarkeit an ihre Ziehmutter.
Luise genoss eine eher dürftige und oberflächliche Erziehung, die auf die sonst üblichen Zwänge weitgehend verzichtete und Wert auf gute Umgangsformen, Frömmigkeit, Schreibkunst und Französisch legte.
Luise war keine gute Schülerin und ihre Flüchtigkeit brachte ihr den Spitznamen "Jungfer Husch" ein.
Als König
Friedrich Wilhelm II (1744-1797) Luise und ihre jüngere Schwester Friederike kennenlernte, war er von den beiden jungen Frauen tief beeindruckt und so kam es im Jahre 1793 schließlich zu einer Doppelhochzeit. Luise heiratete den Kronprinzen und späteren König
Friedrich Wilhelm III aus dem Hause
Hohenzollern und Friederike ihren Schwager Louis.
Als die Kutsche der beiden Bräute durch das festlich geschmückte Berlin fuhr, säumten viele begeisterte Bürger die Straßen. Die beiden Schwestern wurden von den Gräfinnen Brühl und Voss begleitet. Die sittenstrenge Oberhofmeisterin Gräfin Sophie von Voss war der unerfahrenen und naiven Prinzessin zur Seite gestellt worden. Das anfangs nicht konfliktfreie Verhältnis der beiden Frauen zueinander entwickelte sich aber schließlich doch zu einer lebenslangen Freundschaft.
Die beiden lebenslustigen Schwestern tanzten die ganze Nacht hindurch. Der König bewunderte ihre Anmut und ihren Walzer, der bis dahin am Hofe verbotenen war. Königin
Friederike Luise (1751-1805) aber war ungehalten darüber, dass ihre Schwiegertöchter sich über dieses Verbot hinwegsetzten.
Nach der Trauung am 24. Dezember im Berliner Stadtschloss bezog das Paar das nahe gelegene
Kronprinzenpalais Unter den Linden.
Obwohl es eine reine Zweckehe war, die allein aus politischem Kalkül geschlossen wurde, verlief sie überaus glücklich. Das Paar entwickelte eine tiefe und aufrichtige Liebe zueinander. Zehn Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, von denen aber nur sieben das Erwachsenenalter erreichten.
1794 schuf der Bildhauer
Johann Gottfried Schadow, der zeitweilig in einem Seitenflügel des Kronprinzenpalais untergebracht war, auf Veranlassung des Hofes eine Doppelstatue von Luise und Friederike, die berühmte "Prinzessinnengruppe", von der eine Kopie in der
Friedrichwerderschen Kirche (Schinkelmuseum) zu bewundern ist.
Da Luise zum Zeitpunkt der Modellsitzungen unter einer Halsschwellung litt, trug sie eine Kinnbinde, die alsbald zum Modeaccessoire der vornehmen Berlinerinnen wurde.
1795 wurde die Statue enthüllt. Während der Kronprinz ein wenig eifersüchtig reagierte, da er wohl glaubte, zuviel der erotischen Reize seiner Gattin würden offengelegt, freute sich die Bevölkerung, die das Kunstwerk als Porzellanminiaturen erwerben konnte, über ihre schöne und junge Kronprinzessin.
Die Beliebtheit des Kronprinzenpaares stieg stetig, denn es gab sich volksnah, unternahm Ausflüge ohne Gefolge, es duzte sich und es kümmerte sich persönlich um seine Kinder und überließ die Erziehung nicht ausschließlich dem Hofpersonal. Große Sympathien wurde dem Kronprinzenpaar auch deswegen zuteil, weil es sich entgegen der sonstigen Gepflogenheiten am Hofe treu war. Der Kronprinz, bekannt als introvertiert und äußerst wortkarg, schrieb von der Front rührende und überschwängliche Liebesbriefe an seine
junge Frau.
Die Sommermonate verbrachte das Paar auf Schloss Paretz, das zwischen 1797 und 1804 von
David Gilly errichtet worden war.
1789 brach die Französische Revolution aus und 1793 fanden Ludwig XVI und seine Gemahlin Marie Antoinette auf dem Schafott ein unrühmliches Ende.
1797 wurde Friedrich Wilhelm mit 27 Jahren König von Preußen, Luise war zu jener Zeit 21 Jahre alt.
In Frankreich riss Napoleon Bonaparte die Macht an sich, beendete die Revolution und führte die junge Republik zurück in die Monarchie. Europa wurde von Kriegen überzogen und Preußen, das unter
Friedrich I zu einer europäischen Großmacht aufgestiegen war, wurde von den Truppen Napoleons bedroht.
Friedrich Wilhelm versuchte, sein Königreich durch strikte Neutralität aus kriegerischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Zwar vertrat Zar Alexander I nach außen hin ebenfalls eine Neutralitätspoltik gegenüber Frankreich, insgeheim aber drängte er den König zu einem Bündnis zwischen Russland und Preußen und so traf man sich schließlich für sechs Tage in dem Grenzort Memel. Luise war tief beeindruckt von dem russischen Monarchen und schrieb ihm nach seiner Abreise schwärmerische und enthusiastische Briefe.
Im Oktober 1805 trafen sich Zar Alexander I und Friedrich Wilhelm III zum zweiten Mal - diesmal geschah dies im Rahmen eines Staatsbesuches.
Luise, die diesem Tag voller Ungeduld entgegengefiebert hatte, wurde von Alexander bitter enttäuscht, denn dieser zeigte ihr die kalte Schulter.
In der Potsdamer Garnisonskirche besiegelten die beiden Monarchen am Grab von
Friedrich dem Großen und im Beisein der Königin das Bündnis zwischen Preußen und Russland.
Als Friedrich Wilhelm sich dazu entschloss, sich dem Machthunger des Franzosenkaisers entgegenzustellen, tat er dies nicht zuletzt auch auf Drängen Luises, die in Napoleon das Übel schlechthin sah.
Nach der vernichtenden Niederlage Preußens gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806, die rund 30.000 Soldaten das Leben kostete, floh Luise mit ihren fünf kleinen Kindern nach Königsberg.
Auf der Flucht brach ein Rad der Kutsche, was eine mehrstündige Unterbrechung der Fahrt zur Folge hatte. Um ihre quengelnden Kinder abzulenken, flocht Luise am Wegesrand für sie Kränze aus blauen Kornblumen. Diese Szene sollte ihr zweitältester Sohn, der spätere Kaiser Wilhelm I, niemals vergessen.
In Königsberg erkrankte Luise an einer Lungenentzündung, die sie aber nicht auskurieren konnte, da sie mit ihren Kindern erneut vor Napoleons Truppen die Flucht ergreifen musste. Sie floh nach Memel.
Nach der Niederlage bei Friedland zwang Napoleon Zar Alexander zu einem Friedensvertrag.
Friedrich Wilhelm hielt seine Gemahlin über das Geschehen auf dem Laufenden und teilte ihr außerdem mit, dass Napoleon sie zu sehen wünsche. Dieser Wunsch bedeutete für Luise eine tiefe Demütigung, betrieb doch der Kaiser in Frankreich ungeniert und ohne Skrupel eine Schmutz- und Hetzkampagne gegen die preußische Königin.
Nach der Besetzung Berlins am 27. Oktober 1806 waren Napoleon die Briefe zwischen Luise und Alexander I in die Hände gefallen. Nun ließ er die Texte in der Pariser Zeitschrift "Le Moniteur" veröffentlichen und mit gehässigen Kommentaren versehen. Außerdem wurde die Königin von Karikaturisten verunglimpft und als barbusige Amazone dargestellt.
Königin Luise bat Napoleon um poltische Zugeständnisse - dieser machte ihr lediglich belanglose Komplimente für ihre Garderobe.
"Hübsches Gesicht, wenig Geist" lautete Napoleons vernichtendes Urteil über die Königin der Preußen.
Der Frieden von Tilsit im Jahre 1807 bedeutete das vorläufige Ende Preußens als Großmacht. Der Staat verlor die Hälfte seines Territoriums und er musste gigantische Zahlungen an die Franzosen leisten.
Dennoch war Luises Einsatz nicht umsonst gewesen, denn wenn sie auch in Tilsit politisch nichts hat bewirken können, so wurde die preußische Bevölkerung durch die demütigende Behandlung ihrer Königin in ihrem Widerstand gegen Napoleon geeint und gestärkt.
Nachdem das Königspaar zunächst im ostpreußischen Exil bleiben musste, durfte es mit der Genehmigung Napoleons im Jahre 1809 nach Berlin zurückkehren, wo Luise von der Berliner Bevölkerung ganz besonders herzlich empfangen wurde.
Nach dem Desaster von Tilsit gab es in Preußen mehrere Reformen - die wichtigste unter ihnen war eine umfassende Heeresreform. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, Prügelstrafe und Perückenzwang wurden abgeschafft und von den 143 preußischen Generälen blieben nur noch zwei übrig: Blücher und Tauentzien.
Luise mischte sich zwar nicht persönlich in die Politik ein, dennoch aber war auch sie überzeugt von den längst überfälligen Reformen und vermittelte unter den Beteiligten, wann immer es nötig war.
Die Befreiung Preußens im Jahre 1814 erlebte Luise aber nicht mehr. Nach kurzem Krankenlager starb sie am 19. Juli 1810 an einem Gewächs in der Lunge. Ihr Gemahl und ihre beiden ältesten Söhne waren bei ihr auf Schloss Hohenzieritz, dem Landsitz ihres Vaters.
Friederike schrieb in ihr Tagebuch: "Als die Königin ihren Kopf zur Seite neigte, schlug die Uhr neunmal". Gemeint war eine weiße Kaminuhr, ein Hochzeitsgeschenk der englischen Königin.
Tausende erwiesen der toten Königin auf ihrer letzten Reise von Hohenzieritz nach Berlin entlang der Strecke die letzte Ehre.
Königin Luise wurde zunächst im
Berliner Dom beigesetzt, die letzte Ruhe fand sie aber wenige Monate später in einem Mausoleum, das ihr zu Ehren unter Mitwirkung von
Karl Friedrich Schinkel im Park des
Charlottenburger Schlosses errichtet worden war.
Ihr Sarkophag wurde von dem Bildhauer
Christian Daniel Rauch mit einer Skulptur versehen, die als eine der schönsten Werke der Berliner Bildhauerschule gilt.
Schnell entwickelte sich das Mausoleum zu einer Kultstätte für die Verehrung der Königin, die nach ihrem Tode glorifiziert und zu einem preußischen Nationalmythos wurde.
Der Dichter August Wilhelm Schlegel nannte Luise eine "Königin der Herzen", sie war Leitfigur, Heldin, Märtyrerin und Mutter der Nation. Aber sie diente auch als Rechtfertigung für den Krieg gegen Frankreich und so wurde Blücher nach seinem Sieg gegen Napoleon bei Waterloo zum "Rächer der Königin Luise".
Ihr Sohn,
Wilhelm I, der von den deutschen Fürsten 1871 nach dem Sieg über Frankreich in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen wurde, hatte - bevor er in den Krieg zog - auf dem Grab seiner Mutter im Schlosspark Charlottenburg einen Strauß blauer Kornblumen niedergelegt.
Im Figurenschmuck der
Siegessäule sieht man einen kleinen Jungen, dessen Kopf mit Kornblumen bekränzt ist. Dieser Junge ist Kaiser Wilhelm I.
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