Diese von Stahlträgern gestützte und nur auf zwei Punkten aufliegende schwungvolle Dachkonstruktion galt zur damaligen Zeit als innovativ, ja sensationell und da das Gebäude aussah wie ein geöffnetes Muschelgehäuse, ward die "Schwangere Auster" geboren..
Ein "Leuchtfeuer der Freiheit" nannte der Architekt Hugh A. Stubbins, ein Mitarbeiter von Walter Gropius, sein Bauwerk denn auch überschwänglich und wie dieser Ausspruch schon vermuten lässt, diente die Kongresshalle mitten im Kalten Krieg auch als Demonstration der Überlegenheit des politischen Systems und des unbedingten Überlebenswillens Westberlins.
Es ist also nur folgerichtig, dass sowohl John F. Kennedy als auch Henry Kissinger und Jimmy Carter diese Kulisse nutzten, um von hier aus ihre Botschaften unter das Volk zu bringen.
1958 fanden in der Kongresshalle die Berliner Filmfestspiele statt. Der Gewinner des Goldenen Bären hieß damals Ingmar Bergmann mit seinem Film "Wilde Erdbeeren".
1965 kam es zu einem politischen Eklat, als sowjetische Kampfjets über West-Berlin donnerten und sogar Übungsmunition über der Kongresshalle abfeuerten.
Grund für diese Drohgebärde war eine in der Kongresshalle stattfindende Bundestagssitzung. Darin sah der politische Gegner eine ungeheure Provokation, denn offiziell bildete Westberlin eine selbständige politische Einheit und die Sitzung einer politischen Institution der BRD war daher für ihn nicht akzeptabel.
Die Eröffnung des ICC (Internationales Congress Centrum ) zu Füßen des
Funkturms im Jahre 1979 machte die alte Kongresshalle im Grunde genommen überflüssig.
1980 wurde die Kongresshalle zum Schauplatz einer Tragödie. Auf Grund von Materialermüdung stürzten Teile des Daches ein. Es gab Verletzte und es war auch ein Toter zu beklagen, denn ein junger Reporter des SFB (Sender Freies Berlin) bezahlte dieses Unglück mit seinem Leben.
Wegen seines Symbolcharakters beschloss man, das Gebäude zur 750 Jahr-Feier im Jahr 1987 wiederaufzubauen. Dieser Entscheidung waren jedoch endlose und unzählige Debatten über das Für und Wider vorausgegangen.
Am 9. Mai 1987 wurde die Kongresshalle wiedereröffnet. Auch der Architekt Hugh Stubbins wohnte dieser Feier bei.
Seit 1989 wird das Gebäude unter dem holprigen Namen "Haus der Kulturen der Welt" für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Schwerpunkt ist die zeitgenössische außereuropäische Kunst. Es werden Filme gezeigt und Seminare, Konzerte, Tanz- und Theatervorstellungen veranstaltet. Auch die Auseinandersetzung mit Literatur, Politik und Wissenschaft gehört zu dem breit gefächerten Themenspektrum.
Vor dem Haus der Kulturen der Welt steht der Schmetterling des britischen Bildhauers Henry Moore. Es war seine letzte öffentliche Arbeit.
Die rund 10 Tonnen schwere Bronzeskulptur wurde 1987 zur 750-Jahr-Feier aufgestellt und trägt den Namen "Large Divided Oval Butterfly".
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