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Berliner Stadtschloss

Berliner Stadtschloss

Das im Jahre 1950 gesprengte Berliner Stadtschloss auf der Spreeinsel in Berlin-Mitte entstand einst auf dem ehemaligen Friedhofsgelände eines Dominikanerklosters.

Im Jahre 1411 berief der deutsche Kaiser den Burggrafen von Nürnberg aus dem Geschlecht der Hohenzollern zum Statthalter der Mark.
Zu jenem Zeitpunkt war Brandenburg ohne eine zentrale Regentschaft und Berlin und Cölln waren selbständig agierende Bürgerstädte.
Um die Autonomie der Städte zu beschneiden und den Handel zu kontrollieren, begann Friedrich II ("Eisenzahn") 1442 mit der Errichtung einer Zwingburg. Dagegen revoltierten die Berliner Bürger, indem sie die Schleusen der Spree öffneten und den Bauplatz unter Wasser setzten.
Dieser, als "Berliner Unwille" in die Geschichte eingegangene, Bürgerprotest konnte jedoch nicht verhindern, dass Friedrich II 1451 sein neues Domizil bezog.

100 Jahre später ließ Kurfürst Joachim II die Burg zu einem prächtigen Renaissanceschloss umbauen.
Der als Frauenheld bekannte Kurfürst, dessen Seitensprünge Stadtgespräch waren, sorgte für einen recht lockeren Lebenswandel am Hofe. Aber das Schloss war auch Mittelpunkt für Dichter, Maler und Schauspieler.

Der Dreißigjährige Krieg entvölkerte die Stadt - das Schloss verwahrloste.
Erst der Große Kurfürst brachte wieder neuen Glanz in das Schloss. Seine Kunstkammer war legendär und Grundstock für die spätere Ägyptische Sammlung.
Der verwilderte Küchengärten vor dem Schloss wurde zum Lustgarten mit Fontäne, Orangerie und Kartoffelpflanzen umgestaltet.
Der von Kurfürst Johann Georg im Jahre 1573 angelegte Reitweg, der vom Schloss zum Tiergarten führte, wurde vom Großen Kurfürsten zu einer Allee mit vier Baumreihen ausgebaut - die heutige Straße Unter den Linden.

Aber der Große Kurfürst brachte nicht nur Glanz in das Schloss sondern auch in die Stadt. Zunächst verbot er die bislang übliche Schweinezucht vor den Häusern und er organisierte die erste Stadtreinigung.
Für "Umweltsünder" gab es drakonische Strafen: wer Abfälle in die Spree warf, bezahlte 50 Taler, wer einen Baum beschädigte, bezahlte mit dem Verlust einer Hand.
Mit der Wirtschaft ging es bergauf und allmählich erlangte das bis dahin so bedeutungslose Brandenburg in Europa Ansehen.

Doch seinem Sohn, dem späteren Friedrich I genügte dies nicht. Er wollte mehr, er wollte König werden und so ließ er sich von Andreas Schlüter ein wahrhaft königliches Schloss bauen. Es entstand ein Prachtbau im italienischen Barockstil, der den Machtanspruch des Königs nach außen hin repräsentierte.
Als der ebenfalls von Schlüter entworfene Münzturm wegen statischer Mängel abgetragen werden musste, wurde sein Rivale Johann Eosander von Göthe mit der Vollendung des Baus beauftragt.

Die Verschwendungssucht von König Friedrich I kannte keine Grenzen und seine Hofhaltung verschlang Unsummen. Der Bürger wurde mit immer mehr Abgaben belastet: so gab es neben der Generalsteuer die Schuh-, Pflaster-, Kopf-, Kaffee-, Tee-, Schokoladen-, Perücken-, Jungfern-. Spielkarten-, Kutschen-, Strumpf- und Hutsteuer.
Dennoch hinterließ Friedrich I seinem Sohn, dem Soldatenkönig, einen riesigen Schuldenberg, den dieser durch harte Sparmaßnahmen abbaute. Aus dem Lustgarten machte er einen Exerzierplatz.
"Er war nur groß im Kleinen und klein im Großen" urteilte Friedrich II über seinen Großvater. Er selbst machte sich rar in Berlin und zog das Schloss Sansscouci in Potsdam dem Schloss in Berlin vor.
Immerhin aber hatte die Bevölkerung unter Friedrich II Zugang zum Schloss und durfte auch die Innenhöfe betreten.

Mit dem Bau der von Karl Friedrich Schinkel geplanten Schlossbrücke bekam das königliche Domizil einen repräsentativen Zugang.
Im Jahre 1850 erhielt das Schloss eine majestätische Kuppel, die zunächst das Stadtbild bestimmte.
Als auch das Reichstagsgebäude eine Kuppel erhalten sollte, die noch höher war als die Kuppel des Schlosses intervenierte Kaiser Wilhelm II.
Auch die Häuser an der Schlossfreiheit störten den Monarchen und so ließ er sie kurzerhand abreißen und den nun entstandenen freien Platz mit einem Reiterstandbild schmücken.

Bis zum Ersten Weltkrieg war das Berliner Schloss das meist verkaufte Postkarten-Motiv Berlins.
Im August 1914 rief der Kaiser auf dem Schlossbalkon den Ersten Weltkrieg aus. Vier Jahre später musste er abdanken und Karl Liebknecht rief am 9. November 1918 auf diesem Balkon die "freie sozialistische Republik" aus.
"Der Tag der Revolution ist gekommen. Wir haben den Frieden erzwungen. Der Friede ist in diesem Augenblick geschlossen. Das Alte ist nicht mehr. Die Herrschaft der Hohenzollern, die in diesem Schloss jahrhundertelang gewohnt haben, ist vorüber. In dieser Stunde proklamieren wir die freie sozialistische Republik Deutschland. [.....].
Für kurze Zeit war das Schloss Volkseigentum und wurde geplündert.
Danach wurde es als Kunstgewerbemuseum und Mehrzweckgebäude genutzt und auch an Vereine, Instiutionen und Privatpersonen vermietet.

Am 3. Februar 1945 wurde das Schloss bei einem Luftangriff schwer beschädigt und 1950 aus ideologischen Gründen gesprengt. Zwar hätte man es wiederaufbauen können, aber Ulbricht, der in in diesem Schloss das steingewordene Symbol des preußischen Militarismus sah, ließ es aus dem Stadtbild löschen.
Nur das Eosanderportal, von dem aus Liebknecht die Republik ausgerufen hatte, überlebte und wurde in die Fassade des DDR-Staatsratsgebäudes integriert.
Aus dem Schlossplatz wurde der Marx-Engels-Platz, der fortan für Aufmärsche genutzt wurde und eine Tribüne für die Staatsführung erhielt.

Zwischen 1973 und 1976 entstand auf dem Schlossgelände der Palast der Republik, der von 2006 bis 2008 wieder abgetragen wurde.

2014 wird der Wiederaufbau des Schlosses als Humboldt-Forum beginnen.
Drei Fassaden des legendären Schlüterhofs werden dabei rekonstruiert.
Ziel des Neubaus ist eine internationale Bildungs- und Begegnungsstätte mit dem Schlossforum, das man in Nord-Süd-Richtung durchlaufen kann, dem Schlüterhof, der für verschiedene Veranstaltungen dienen wird und die Agora - ein großzügig überdachter Theaterplatz.

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