Otto von Bismarck (1/3)
Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 als Sohn des Gutsbesitzers Ferdinand von Bismarck und dessen Frau Wilhelmine Luise in Schönhausen (Altmark) geboren und starb am 30. Juli 1898 in
Friedrichsruh bei Hamburg.
Er war Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, Ministerpräsident von Preußen und der erste
Reichskanzler des Deutschen Reiches, dessen Gründung maßgeblich auf ihn zurückgeht.
Von 1827 bis 1830 besuchte Bismarck das Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und danach das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. 1832 nahm er an der Universität Göttingen das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften auf.
In Göttingen fiel Bismarck allerdings weniger wegen seiner Studien auf als viel mehr durch ausgiebige Saufgelage und seiner Leidenschaft für das Fechten, das ihm durch die Zugehörigkeit zu einer schlagenden Verbindung ermöglicht wurde. Bismarck galt auf dem Fechtboden als unschlagbar.
Wegen "grober Verfehlungen gegen Sitte und Anstand", wozu öffentliche Trunksucht, Beleidigungen und nächtliche Ruhestörung zählten, saß Bismarck im Karzer.
Da er kurz nach seiner Entlassung in einem Wirtshaus randalierte, durfte Bismarck die Stadt fortan nur noch zu seinen Vorlesungen betreten und so war er gezwungen, an den Stadtrand zu ziehen.
Während viele seiner Mitkommilitonen sich 1832 auf dem Hambacher Fest unter die über 20000 Demonstranten mischten und unter der schwarz-rot-goldenen Fahne Freiheit, Bürgerrechte und einen deutschen Nationalstaat forderten, beschränkte sich Bismarcks Interesse nur darauf, endlich frei und ungehindert seine Saufexzesse auszuleben.
Nach seinem Wechsel an die
Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und nach Absolvierung seines ersten Staatsexamens ging Bismarck nach Aachen, wo er als Referendar der Provinzialverwaltung arbeitete. Viel lieber wäre er in den diplomatischen Dienst aufgenommen worden, aber dieser Weg blieb ihm versperrt.
Enttäuscht und gelangweilt stürzte er sich in kurzlebige Affären. Sein ausschweifender Lebenswandel bescherte Bismarck schließlich den finanziellen Ruin und er dachte daran, seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Die 200 Reichstaler, die ihm sein Vater schickte, verlor Bismarck im Spielcasino.
Zu seinen Schulden von 1700 Reichstalern kam nun auch noch die Entlassung, denn Bismarck war tagelang unentschuldigt seiner Arbeit ferngeblieben.
In Potsdam bot sich Bismarck die Möglichkeit, sein Referendariat fortzusetzen, aber nach nur fünf Monaten quittierte er gelangweilt den Dienst. Dies bedeutete das Aus für eine spätere Beamtenlaufbahn.
Nach dem Militärdienst und dem Tod seines Vaters übernahm Bismarck die Güter seiner Eltern.
Zwar erwies sich Bismarck als guter Landwirt und Geschäftsmann, dem es schließlich auch gelang, seine Schulden zu tilgen, aber noch immer suchte er sein Heil in wilden, ungezügelten Saufgelagen, die ihn aber immer weniger zufriedenstellen konnten und ihn schließlich in eine tiefe Sinnkrise stürzten.
Bismarck erwachte erst wieder zu neuem Leben, als ein Nachbar ihm seine Verlobte, die aus einem pietistischen Elternhaus stammende, Marie von Thadden vorstellte. Hals über Kopf verliebte sich Bismarck in die junge Frau. Auch sie fühlte sich zu Bismarck hingezogen, war aber allein schon aus religiösen Gründen nicht gewillt, ihr einmal gegebenes Versprechen gegenüber ihrem Bräutigam zu brechen. Beide verband aber eine innige und aufrichtige Freundschaft.
Als Marie im Alter von nur 24 Jahren durch eine Hirnhautentzündung aus dem Leben gerissen wurde, war Bismarck über diesen Verlust zutiefst erschüttert.
Kurz vor ihrem Tod wünschte sich Marie, dass Bismarck ihre ebenfalls pietistische Freundin Johanna von Puttkamer heiraten möge.
Dieser erfüllte seiner Freundin den Wunsch und machte Johanna fortan den Hof. Trotz des schlechten Rufes, der Bismarck anhaftete, willigte der Brautvater in die Vermählung ein.
Am 28. Juli 1847 heiratete das Paar in Reinfeld/Pommern und bezog das Gut Schönhausen (Elbe). Das Paar bekam drei Kinder. Johanna war Bismarck Halt und Stütze und brachte endlich Ruhe und Beständigkeit in sein Leben.
Durch seine Frau gelangte Bismarck in die Kreise konservativer Pietisten, die beste Beziehungen zum Berliner Königshaus unterhielten. Hier knüpfte Bismarck jene Kontakte, die sich für seine spätere politische Karriere als überaus förderlich erwiesen.
1847 wurde Bismarck an den Vereinigten Preußischen Landtag berufen, wo er sich bald mit leidenschaftlichen Bekenntnissen für die Monarchie einen Namen machte.
Als 1848 in Europa die Märzrevolution losbrach, gingen auch in Berlin Menschen für Demokratie und nationale Einheit auf die Barrikaden.
Bismarck beabsichtigte, mit seinen bewaffneten Bauern nach Berlin zu eilen und mit ihnen den Aufstand zu beenden.
Als er die preußische Prinzessin und spätere Kaiserin
Augusta im Auftrage des Prinzen Karl, mit dem er eine Gegenrevolution inszenieren wollte, aufsuchte, um sie zu überreden, mit ihrer Unterstützung den zaudernden König abzusetzen und ihren Sohn, den späteren Kaiser Friedrich III, an die Macht zu verhelfen, lehnte diese das Ansinnen voller Empörung ab. Seine Umsturzpläne machten sie ihm zur lebenslangen Feindin.
In der Frankfurter Paulskirche tagte indes das erste frei gewählte Parlament. Letztendlich aber zerplatzen die Träume von Demokratie und deutscher Einheit.
Im selben Jahr wurde Bismarck Mitbegründer der konservativen "Neuen Preußischen Zeitung".
Als Bismarck 1849 in die zweite Kammer des preußischen Landtages gewählt wurde, zog er mit seiner Familie nach Berlin, um sich fortan ganz der Politik zu widmen.
Im Parlament gehörte er zu den Erzkonservativen. Er stand für die Vormachtstellung der Monarchie und gegen die Demokratiebewegung der Bevölkerung. Wenn die Lage es allerdings erforderte, konnte er auch pragmatisch handeln. Sein oberstes Ziel, die Interessen des Staates zu wahren und Preußen im Konzert der Großen eine wichtige Stimme zu geben, verlor er dabei nie aus den Augen.
1851 wurde Bismarck zum preußischen Gesandten beim Deutschen Bund in Frankfurt/Main ernannt.
Endlich war er dort angekommen, wo er hinwollte - auf die große Bühne der Weltpolitik. Fortan verfolgte er seine Ziele mit geradezu missionarischem Eifer, fühlte er sich doch persönlich von Gott berufen: "Ich bin Gottes Soldat", schrieb er an seine Frau.
Der anfangs weit unterschätzte Bismarck lernte schnell, sich auf dem glatten Diplomatenparkett zu bewegen und er scheute auch nicht vor Provokationen zurück. Auch ohne diplomatische Ausbildung schaffte er es in kurzer Zeit, sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen.
Bismarck sammelte nicht nur wertvolle Erfahrungen sondern nutzte auch die Möglichkeit, mit einflussreichen europäischen Politikern in Kontakt zu treten und so ein Netzwerk zu knüpfen, das ihm später als preußischer Ministerpräsident zugutekommen sollte.
1852 kam es zu einem Pistolenduell zwischen Bismarck und dem Abgeordneten Georg Freiherr von Vincke auf Grund einer heftigen Auseinandersetzung im Preußischen Landtag und einer von Bismarck beleidigenden Äußerung.
Beide Kontrahenten gingen unverletzt aus diesem Duell hervor.
Vierzehn Jahre später forderte er auch seinen politischen Kontrahenten und Arzt an der
Charité,
Rudolf Virchow, zu einem Duell, das ihm dieser aber mit der Begründung verweigerte, dass ein Duell keine zeitgemäße Form der Auseinandersetzung sei.
Im November 1854 wurde Bismarck in das
Preußische Herrenhaus, der 1. Kammer des preußischen Landtags berufen.
Als
Wilhelm I seinen erkrankten Bruder ablöste, besetzte er das Kabinett mit liberal gesinnten Aristokraten, die sich für eine Verständigung mit Österreich einsetzten. Bismarck mit seiner konsequent anti-österreichischen Haltung wurde abgezogen und als preußischer Gesandter an den russischen Hof in Sankt Petersburg abberufen.
Bismarck fühlte sich in Russland nicht wohl und seine Verbannung schmerzte ihn sehr.
Nach drei Jahren wurde er als preußischer Gesandter nach Paris versetzt.
Hier knüpfte Bismarck enge Kontakte mit dem preußischen Kriegsminister Roon und er lernte auch Napoleon III kennen.
Auf einem Urlaub in Biarritz im August 1862 lernte Bismarck Katharina Orlowa, die Frau des russischen Gesandten, kennen und lieben. Zwischen beiden begann ein Flirt, eine romantische Affäre. Den Olivenzweig, den seine Angebetete ihm zum Abschied schenkte, bewahrte Bismarck bis zu seinem Tode in einem Zigarrenetui auf.
Johanna, die schon so manche Schwärmerei ihres Gatten klaglos hingenommen hatte, erwies sich auch diesmal als duldsam und nachsichtig.
Als das Parlament 1862 Wilhelm I die Gelder verweigerte, die dieser für eine geplante Heeresreform benötigte, kam es zu einer schweren Verfassungskrise, in deren Verlauf der König den Landtag auflöste und Neuwahlen anordnete. Als die Opposition die Wahlen mit großem Vorsprung gewann und ihre Blockadehaltung fortsetzte, wollte Wilhelm I abdanken.
Bismarck, der von Roon ein Telegramm erhalten hatte, verließ sofort Paris und eilte nach Berlin, um Wilhelm I umzustimmen.
Bismarck beschwor den König, im Amt zu bleiben, sicherte ihm seine unverbrüchliche Treue zu und versprach, die Krise beizulegen. Mit allen Mitteln wollte er eine Parlamentsherrschaft verhindern, auch mit diktatorischen Maßnahmen.
Wilhelm ließ sich überzeugen und legte sein Schicksal in Bismarcks Hände.
Im September 1862 versuchte Bismarck die Opposition durch eine flammende Rede für die Heeresreform zu gewinnen. "Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden......sondern durch Eisen und Blut".
Damit machte Bismarck seine zukünftige Politik deutlich: Machtgewinn durch Kriege.
Am 8. Oktober wurde Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen ernannt.
Von Anfang an zeigte Bismarck eine rücksichtlose Politik. Selbst vor einem Verfassungsbruch scheute er nicht zurück. Er löste den Landtag auf und regierte jahrelang ohne Parlament und Budget. Preußen erlebte unter seiner Herrschaft eine Ära der Unterdrückung. Die Pressezensur wurde wieder eingeführt, über 1000 missliebige Beamte strafversetzt oder entlassen und politische Widersacher ausgewiesen.
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