Der Neubau war unerlässlich geworden, da der alte Bahnhof auf Grund des rasant ansteigenden Schienenverkehrs den Anforderungen nicht mehr genügen konnte.
Der "Berlin-Anhaltischer Eisenbahnhof", wie er zunächst hieß, wurde am 15. Juni 1880 im Beisein von Kaiser
Wilhelm I und
Otto von Bismarck seiner Bestimmung übergeben.
Der Bahnhof entwickelte sich in den Folgejahren zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte, denn von hier aus fuhren die Züge nicht nur deutsche Großstädte an sondern sie verbanden Deutschland mit Österreich, Ungarn, Italien und Frankreich.
Auch Staatsgäste wurden hier vom Kaiser in Empfang genommen.
Seit 1928 war der Bahnhof durch einen Tunnel unterirdisch mit dem Hotel Excelsior verbunden.
Neben den Bahnhöfen Grunewald und Moabit wurde auch der Anhalter Bahnhof ab 1942 zum Schauplatz für Judendeportationen. Knapp 10.000 der insgesamt 50.000 von der Verfolgung betroffenen Berliner Juden wurden von hier aus in das Vernichtungslager Theresienstadt verbracht.
Eine Stele erinnert heute an dieses traurige und überaus düstere Kapitel des Anhalter Bahnhofs.
1946 wurde der Bahnhof trotz seiner Beschädigungen zunächst wieder in Betrieb genommen, da aber durch die Teilung der Stadt und den daraus resultierenden Veränderungen im Nah- und Fernverkehr der Bahnhof seine Bedeutung einbüßte, wurde er im Jahre 1952 endgültig stillgelegt.
Ende 1950 erfolgte ungeachtet aller öffentlichen Proteste der Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes. Nur ein Fragment des Eingangsportals blieb erhalten.
Von 2003 bis 2005 wurde die Ruine saniert.
Die beiden von Ludwig Brunow geschaffenen Figuren, von denen die, die in die Ferne schaut, den Tag symbolisiert und die andere - mit den geschlossenen Augen - die Nacht, wurden durch Kopien ersetzt.
Die Originale sind nun im Deutschen Technikmuseum zu bewundern.
Die Terrakotta-Formteile des Kaiserportals befinden sich ebenfalls im Deutschen Technikmuseum, das auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs errichtet wurde.
Hinter der Ruine wurde nach Plänen des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner, das auch für den Bau des
Hauptbahnhofs verantwortlich zeichnete, das Tempodrom errichtet.
Die vier Bahnbrücken wurden in den Folgejahren abgerissen.
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