Alter Jüdischer Friedhof
Der Friedhof in der Großen Hamburger Straße im Berliner Bezirk
Mitte ist die älteste, heute noch existierende, jüdische Begräbnisstätte Berlins.
Angelegt wurde der Friedhof im Jahre 1672, nachdem der
Große Kurfürst (1620-1688) 50 jüdischen Familien per Dekret die Wiederansiedlung in Brandenburg ermöglicht hatte.
Somit gilt das Jahr 1671 als Gründungsjahr der Berliner Jüdischen Gemeinde.
Gumpricht Jechiel Aschkenasi war der Erste, der auf diesem Friedhof seine letzte Ruhe fand. Ihm folgten Persönlichkeiten wie der Philosoph
Moses Mendelssohn (1729-1786) und sein Lehrer, Rabbi David Hirschel Fränkel (1707-1762), wie auch der Seidenfabrikant Isaak Bernhard, bei dem Mendelssohn einst als Hauslehrer tätig war.
Des Weiteren liegen auf diesem Friedhof Veitel Heine Ephraim, an den heute noch das Ephraim-Palais im Nikolaiviertel erinnert und der Bankier
Daniel Itzig. Aber auch der Leiter des Jüdischen Krankenhauses Marcus Herz, der mit der Schriftstellerin Henriette Herz verheiratet war, wurde hier bestattet.
Nach der Schließung der Begräbnisstätte im Jahre 1827 wurde ein neuer jüdischer Friedhof an der Schönhauser Allee genutzt.
Neben dem jüdischen Friedhof entstand ein Altersheim, das 1844 bezogen werden konnte und den Nationalsozialisten als Durchgangslager für rund 50.000 jüdische Mitbürger diente, die dort gesammelt und anschließend in die Konzentrationslager von Auschwitz und Theresienstadt deportiert wurden.
Danach zerstörten die Nazis das Altersheim und errichteten auf dem Gelände einen Splittergraben. Dafür wurden die Grabsteine zweckentfremdet und die Gebeine entfernt.
Nur 20 Grabsteine haben Schändung und Zerstörung überlebt, darunter auch der Grabstein von Gumbricht Jechiel Aschkenasi.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Friedhofsgelände Massengräber für 2425 Kriegstote ausgehoben, darunter befanden sich auch Angehörige von Wehrmacht und SS
Zu DDR-Zeiten wurde das Gelände zu einer Grünanlage umfunktioniert.
1985 wurde vor dem Zaun des Friedhofs das Denkmal "Jüdische Opfer des Faschismus" von Will Lammert aufgestellt. Dieses aus 13 Bronzeskulpturen bestehene Mahnmal stand seit 1957 vor dem KZ Ravensburg.
Im Jahr 2007 begann eine gründliche Restaurierung des Alten Jüdischen Friedhofs. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 1 Million Euro und wurden sowohl vom Senat und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als auch von der jüdischen Gemeinde getragen.
Im Zuge dieser Restaurierung wurden Wege erneuert und Gedenktafeln angebracht, die über die Geschichte des Friedhofs Auskunft geben.
Am Eingang befindet sich ein Wasserbecken für das rituelle Händewaschen und es stehen Kippas (die traditionelle Kopfbedeckung) für männliche Besucher bereit.
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